Initiative gegen Corona: „Haltet Abstand und gleichzeitig zusammen!“

Unter dem Hashtag #allefüralle hat die Kommunikationsagentur fischerAppelt zu Beginn der Krise eine Initiative gestartet, um gemeinsam gegen Corona aktiv zu werden und Aufmerksamkeit für Sicherheitsmaßnahmen zu schaffen. Wie die Idee dazu entstanden ist, wie jeder und jede Einzelne dazu beitragen kann und welche Learnings die Initiatoren selbst aus dieser Zeit ziehen konnten, erzählt Matthias Wesselmann, Vorstand der fischerAppelt AG, im Interview.

 

kununu: Wie ist die Initiative #allefüralle entstanden?

Matthias Wesselmann: Wir hatten Mitte März das Gefühl, dass den Menschen nicht klar ist, dass Abstand halten, neben Hygiene und Hustenetikette, eine der wichtigen Maßnahmen ist, um die Kurve der Pandemie flach zu halten. Das hat jeder selbst in der Hand, aber es muss den Menschen klar vermittelt werden. Nicht mit dem Zeigefinger, sondern empathisch, unterhaltend, aber mit Nachdruck. Wir wollten einbringen, was wir am besten können: Aufmerksamkeit für relevante Themen generieren. So fand sich schnell ein kleines Team, das die Kampagne von Mittwochabend bis zum darauffolgenden Sonntag komplett auf die Beine stellte.

Wie war der Prozess eine Initiative remote aus dem Homeoffice zu starten?

Das ging recht schnell. Alles begann um 17 Uhr mittwochs mit einer E-Mail mit der Skizze der Kampagnenidee an unsere Digitalcrew, an die Social-Media-Truppe, an unseren Kreativchef und an unseren Marketingchef. Nach fünf Minuten waren alle im Boot, um 19 Uhr war eine Telko zum Kick-Off und es war klar: Volldampf voraus. Donnerstagmorgens stand die Kernidee #allefüralle und der Ansatz, den Schwerpunkt auf Abstand halten zu legen und am Abend stand die Kreation und wir haben begonnen, die Partner anzusprechen. Am Freitagabend war die Kampagne für alle Kanäle durch dekliniert und die Website Deutschland gegen Corona online. Am Samstag haben wir dann die Kommunikation gestartet und über das Wochenende mit Udo Lindenberg den TVC produziert. Die ganze Koordination lief über Google Chatter, Google Docs und Hangouts. Da war es super hilfreich, dass wir als Agentur seit Jahren komplett in der Cloud arbeiten und alle geübt in mobilem Arbeiten und Homeoffice sind.

Und wie geht es mit der Kampagne weiter?

Am liebsten würde ich die Kampagne eher morgen als übermorgen beenden, weil Corona vorbei und die Kampagne nicht mehr notwendig ist. Aber ich denke, das Virus und auch die Maßnahmen, um seine Ausbreitungskurve weiter flach zu halten, wird uns noch eine ganze Zeit lang begleiten. Wir versuchen dementsprechend die mediale Präsenz auf allen Kanälen hochzuhalten. Aktuell sind wir mit dem Thema Masken beschäftigt und lassen gerade #allefüralle-Masken produzieren.


„Unternehmensmaßnahmen während Corona vorbildlich und arbeitnehmerfreundlich.“ – Arbeitgeberbewertung bei AGRANA Group


Wie kann die Initiative der Gesellschaft helfen?

Auf zwei Arten: einerseits hilft die Initiative dabei, durch motivierende Botschaften für richtiges Handeln und Aufmerksamkeit zu sorgen, und so die Ansteckungszahlen zu reduzieren. Andererseits macht die Kampagne mit einem Augenzwinkern und auch ganz klaren Motiven Mut und verbreitet Optimismus. Beides hilft der Gesellschaft diese Situation zu meistern.

Wie kann jeder und jede Einzelne einen Beitrag leisten?

Zwei Dinge sind schon einmal förderlich: Aufmerksamkeit und gesunder Menschenverstand. Aufmerksamkeit für andere, dass man nicht gedankenlos durch die Weltgeschichte läuft, keinen Abstand hält oder unkontrolliert durch die Gegend hustet oder niest. Aufmerksamkeit auch gegenüber anderen Menschen, die möglicherweise unsere Hilfe benötigen. Gesunder Menschenverstand derart, dass man sich sehr genau überlegt, was man tut, wen man besucht, wo ein Meeting oder eine Reise sinnvoll ist oder wo es vielleicht auch eine Telefon- oder Videokonferenz tut.


„Auch in dieser schwierigen Situation von Corona gibt es hier einen unglaublichen Zusammenhalt.“ – Arbeitgeberbewertung bei ARIAN Gesellschaft m.b.H


Welche Maßnahmen wurden bei euch aufgrund von Corona ergriffen?

Wir haben ganz unterschiedliche Maßnahmen in unterschiedlichen Phasen der Pandemie ergriffen. Nachdem das ganze anfänglich noch sehr locker gehandhabt wurde, haben wir recht schnell eine eindeutige Empfehlung für Homeoffice ausgesprochen – aber keine Homeoffice-Pflicht eingeführt. Während der gesamten Zeit haben die Mitarbeiter die Möglichkeit, auch im Büro zu arbeiten um Homeoffice-Situationen zu entlasten. Das haben hier in Hamburg rund 15 Mitarbeitende genutzt. Da wir sonst rund 400 Mitarbeitende an unseren Hamburger Standorten haben, war für jeden genügend Platz. Nachdem nun erste Lockerungen anstehen melden sich immer mehr Leute, die gern wieder im Büro arbeiten möchten.

Dazu besorgen wir gerade Masken für alle. Zudem ist die Zahl der Mitarbeitenden begrenzt, so dass die Abstandsregelung von mindestens 1,5 Metern zu jeder Zeit und in jeder Situation im Büro eingehalten werden kann. Durch die Aufteilung der Mitarbeitenden in Arbeitsgruppen, von denen nie zwei gleichzeitig in den Büros sind, sorgen wir für weitere Sicherheit. Wichtig ist vor allem eine klare und deutliche Kommunikation der Unternehmensführung in den verschiedenen Phasen, das war uns persönlich sehr wichtig.

Wie unterstützt ihr Mitarbeitende, die die Krise stärker trifft – zum Beispiel Eltern oder Personen, die Angehörige pflegen?

Wir haben schon in den Jahren vor Corona eine sehr offene und transparente Arbeitsform etabliert, die auf großem gegenseitigem Vertrauen beruht. Sie basiert auf dem Gedanken, dass wir mit dem Gehalt keine Lebenszeit abkaufen, sondern eine Leistung bezahlen. Wann, wie, wo und wie lange die Leistung erbracht wird, kann ganz individuell geregelt werden. Dieses gelernte Prinzip haben wir zu Corona ausgeweitet – Corona hat uns zum Experimentieren mit radikalen Arbeitsmodellen im großen Stil gebracht – und man kann sagen, das Experiment ist erfolgreich. Heute ist der erste Tag, an dem das Büro wieder etwas voller ist, und auch das ist ein sehr schönes Gefühl.


„Arbeit auf Vertrauensbasis“ – Arbeitgeberbewertung bei fischerAppelt


Wie fördert ihr den Zusammenhalt in einer Zeit, in der Abstand halten so wichtig ist?

Generell haben wir einen sehr großen Zusammenhalt unter unseren Leuten, sowohl an den Standorten als auch standortübergreifend. Das kann man erfreulicherweise auch in vielen kununu Beiträgen lesen. Viele unserer Mitarbeitenden sprechen immer von „fAmiliy“ – das ist das geflügelte Wort, das uns beschreibt und die Basis für einen besonderen Zusammenhalt unserer Leute auch in solchen besonderen Zeiten ist. Wir haben natürlich mehr und öfter kommuniziert, sowohl mit den Führungskräften wie auch mit allen Arbeitnehmern. Jeden Freitag gibt es eine TGIF-Videokonferenz mit allen Mitarbeitern, erst eine große Runde, dann “socialising” in virtuellen Break-Out-Räumen. Das ist ganz aufregend und funktioniert toll.

Was sind in der Corona-Situation eure größten Überraschungen und Learnings?

Überraschend fand ich, wie gut viele Dinge funktioniert haben, wie toll das Management und auch das Leadership in der ganzen Agenturgruppe funktioniert. Nachdem unsere Kampagne #allefüralle nun schon einige Wochen läuft, finde ich es im Rückblick immer wieder krass, wie so etwas von 15 Leuten aus unterschiedlichen Teams und Gesellschaften im Homeoffice in drei Tagen entwickelt und ausgerollt wurde. Das zeigt, welche unglaubliche Energie in unseren Leuten steckt und was für eine tolle Truppe wir dahaben. Aber man muss auch sagen, und das sind Learnings: gerade bei den Führungskräften zeigte sich sehr schnell, wer ein guter Manager ist und wer vielleicht noch den ein oder anderen Schritt machen muss. Auch wenn man es immer wieder liest, hätte ich nicht gedacht, wie schnell und deutlich wahre Führungsstärke in der Corona-Situation zu Tage tritt.


Über den Interviewpartner

Matthias Wesselmann gehört seit 2016 zum Vorstand der fischerAppelt AG, der größten deutschen inhabergeführten Kommunikationsagentur im Bereich Content, Bewegtbild und Digital Marketing. Er ist die Schnittstelle zwischen PR und Marketing mit den Schwerpunkten Content Marketing und Marketing Intelligence. Matthias leitete den Stuttgarter Standort von 2007 bis 2011 und ist Gründer/Gesellschafter der Agentur ENGN GmbH. Sein neuestes Projekt ist die Herausgabe seines Buches „Content gekonnt“.


Auf kununu.com können Arbeitnehmer anonym ihre Erfahrungen im Umgang mit der Corona-Krise teilen. Die eingegangenen Informationen fließen in den kununu Corona Employer Transparency Ticker, der täglich aktualisiert wird. Aber auch Arbeitgeber werden von uns gehört und können unter covid-insights@kununu.com geplante oder bereits umgesetzte Maßnahmen bekanntgeben.

kununu Redaktion: Anika Dang