GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz
Honorarkürzung bei Psychotherapeut:innen: Das verdienen sie aktuell im Schnitt
Die geplante Gesundheitsreform in Deutschland sorgt für heftige Kritik. Psychotherapeut:innen warnen vor schlechteren finanziellen Bedingungen und befürchten Folgen für die Versorgung von Patient:innen. Ein Blick auf ihre Gehälter ordnet einiges ein.
Darum gibt es Aufruhr
Im Zentrum der Debatte steht die sogenannte Angemessenheitsprüfung. Sie soll sicherstellen, dass zeitgebundene psychotherapeutische Leistungen angemessen vergütet werden. Genau dieser Schutzmechanismus soll nun wegfallen. Gleichzeitig wurden bereits Honorarkürzungen für Behandlungen gesetzlich Versicherter beschlossen. Berufsverbände sehen darin eine erhebliche Belastung und warnen davor, dass sich eine eigene Praxis künftig weniger lohnt. Die Bundesregierung hält dagegen: Sie will die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung begrenzen und das Vergütungssystem vereinfachen.
Für angestellte Psychotherapeut:innen in Kliniken, Reha-Einrichtungen oder Medizinischen Versorgungszentren ändert sich dagegen zunächst nichts, denn ihre Einkommen werden in der Regel über Tarif- oder Arbeitsverträge geregelt. Laut kununu-Daten verdienen sie derzeit 59.900 Euro Brutto durchschnittlich im Jahr – und das soll voraussichtlich so bleiben.
Selbständigen Psychotherapeut:innen bleiben 26,1 Prozent ihres Umsatzes
Genau genommen geht es nicht um Gehaltskürzungen, sondern um die Honorare selbstständiger Praxen. Laut dem Honorarbericht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erzielten psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten im zweiten Quartal 2023 einen durchschnittlichen Honorarumsatz von 24.476 Euro, etwa 97.900 Euro im Jahr. Das ist aber nicht ihr Einkommen. Von diesem Betrag müssen unter anderem Miete, Personal, Versicherungen und weitere Praxiskosten bezahlt werden. Zum Vergleich: Fachärzt:innen erzielten im selben Zeitraum einen durchschnittlichen Honorarumsatz von 60.525 Euro, bzw. 242.100 Euro im Jahr.
Nach Angaben der KBV bleiben Ärztinnen, Ärzten und Psychotherapeuten im Durchschnitt 26,1 Prozent des Honorarumsatzes als Nettoeinkommen. Wie hoch der tatsächliche Verdienst ausfällt, hängt unter anderem von der Praxisgröße, dem Standort und den laufenden Kosten ab.

Warum die Diskussion so wichtig ist
Noch ist offen, welche Folgen die Reform tatsächlich haben wird. Berufsverbände befürchten, dass sich künftig weniger Psychotherapeuten für eine eigene Praxis entscheiden und Patient:innen dadurch noch länger auf einen Therapieplatz warten müssen. Ob es so kommt, lässt sich derzeit nicht sicher sagen. Klar ist aber: Die Debatte zeigt, wie entscheidend die finanziellen Rahmenbedingungen dafür sind, ob der Beruf langfristig attraktiv bleibt und wie gut die psychotherapeutische Versorgung künftig aufgestellt ist.