Hochzeitsplanung

„Hochzeitsplanung hat nichts mit Romantik zu tun“ – ein Gespräch mit Bianca Lehrner

In unserer neuen Serie „Kuriose Traumberufe“ sprechen wir mit Menschen, deren Job du bisher vielleicht noch gar nicht auf deinem Karriereschirm hattest. Bianca Lehrner begleitet Menschen an dem für sie wohl schönsten Tag ihres Lebens: Sie ist Hochzeitsplanerin. Spätestens seit „Vier Hochzeiten und eine Traumreise“ ist ihr Beruf in aller Munde. Im Gespräch erzählt sie uns, was ein Hochzeitsplaner können muss. Aber auch, wie man reagiert, wenn der Bräutigam oder die Braut kalte Füße bekommen hat.

kununu: Hochzeitsplanerin klingt schwer nach Traumjob. Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?

Bianca Lehrner: Ich bin eigentlich Betriebswirtin und einer meiner Schwerpunkte war Projektmanagement. Als ich vor 15 Jahren geheiratet habe, gab es kaum Hochzeitsplaner. Deshalb haben wir unsere Hochzeit selbst geplant – als Projekt mit Projekthandbuch, Arbeitspaketen, Milestones und Zeitplänen. Die Schwierigkeit war, dass vor uns im Freundeskreis niemand geheiratet hat. Die optimalen Abläufe waren für uns noch nicht klar. Wir wussten nicht, welche Professionisten wir engagieren sollen. Wir wussten nicht, wie viel es kosten darf und damit nicht, wie viel wir budgetieren sollten. Wir hätten uns damals professionelle Unterstützung bei der Planung gewünscht. Daher haben wir nach unserer Hochzeit beschlossen, das einfach selbst anzubieten.

Die Nachfrage nach Hochzeitsplanern ist also sehr groß?

Die Nachfrage war für uns schon von Beginn an groß, weil es keine wirkliche Konkurrenz gab. Über die Jahre ist sie gewachsen. Jede Hochzeit in diesem Beruf ist ein wahnsinniger Multiplikator und die Mundpropaganda spielt eine große Rolle. Wahrscheinlich hatten wir einfach Glück zur richtigen Zeit damit zu starten – wir dürfen uns jetzt darüber freuen, dass wir jedes Jahr sehr gut gebucht sind.

Sie geben auch Kurse für Hochzeitsplaner. Was empfehlen Sie Menschen, die gerne Hochzeitsplaner werden möchten? Welche Eigenschaften sollte man haben?

Hochzeitsplanung hat wenig mit Romantik zu tun. Es ist ein knallharter Organisationsjob. Man sollte belastbar, stressresistent, lösungsorientiert, empathisch und kreativ sein. Aber für mich zählt das Organisationstalent zu den obersten Prioritäten und Stressresistenz in brenzligen Situationen. Mit einem kühlen Kopf richtig reagieren können ist gerade am Tag der Hochzeit absolut wichtig.

Was macht Ihnen denn dann am meisten Spaß an Ihrem Job? Ist es tatsächlich das Organisatorische? Und was macht Ihnen am wenigsten Spaß?

Am wenigsten Spaß machen mir die Kalkulationen. Wir übernehmen ja bei der Hochzeitsplanung auch die Budgetierung. Das Organisatorische ist definitiv das, was mir am meisten Spaß macht. Und auch die Koordinationsarbeit am Tag der Hochzeit – ich empfinde es als Privileg, einen Beruf zu haben, bei dem man ein Projekt von Anfang bis zum Ende betreuen darf und dann letztlich auch das Ergebnis sieht.

Weil Sie gerade von Kalkulationen gesprochen haben, sprechen wir über das Finanzielle: Mit welchen Preisen kann man denn rechnen, wenn man sich einen Hochzeitsplaner wünscht?

Bei uns sind die Preise ganz transparent auf der Website. Wir haben Packages, die starten mit einer Tagesbetreuung bei 790 Euro. Und die Komplettorganisation kommt auf 2490 Euro. Da ist die Tagesbetreuung schon dabei. Und ich wage zu behaupten, dass wenn man einen Hochzeitsplaner engagiert, man am Ende nicht mehr zahlt als ohne. Wir unterstützen mit Professionisten mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis passend zu den Wünschen des Brautpaars. Ich denke, das ist vergleichbar mit einem Architekten beim Hausbau. Am Ende weiß man, warum man den beauftragt hat. Am Ende weiß man auch, wenn man ihn nicht beauftragt hat, dass man es tun hätte sollen.

Sie glauben also nicht, dass Hochzeitsplanung nur etwas für gut betuchte Menschen ist?

Nein, überhaupt nicht. Unsere Kunden kommen aus allen Schichten. Wir betreuen Brautpaare, denen dieser Tag einfach sehr wichtig ist und die Unterstützung bei der Organisation haben möchten.

Gab es auch schon einmal den Fall, dass Sie zweimal die Hochzeit von jemandem geplant haben?

In der Regel nicht. Ich wurde aber letztes Jahr von einer Braut engagiert, die ich vor zehn Jahren schon einmal betreut habe. Das ist die Ausnahme. Normalerweise nimmt man sich für die zweite Hochzeit nicht den gleichen Hochzeitsplaner. Zumindest, wenn man jemand anderen heiratet. Aber in diesem Fall hat die Chemie zwischen der Braut und mir einfach extrem gut gepasst.

Gab es skurrile Hochzeitswünsche, die Sie schon umgesetzt haben oder auch nicht umgesetzt haben?

An den skurrilsten Wunsch kann ich mich noch sehr gut erinnern. Ich sollte einen Affen organisieren, der die Ringe in die Kirche bringt. Davon habe ich abgeraten, weil es unvernünftig gewesen wäre. Der Priester hätte uns hinausgejagt.

Gibt es grundsätzlich extreme Unterschiede zwischen den Kulturen? Rein nach dem Klischee sagt man ja zum Beispiel, dass türkische Hochzeiten extrem groß sind und da sehr viel gefeiert wird. Wie sehen die Unterschiede da aus?

Ja, es gibt auf jeden Fall Unterschiede. Ich habe noch keine türkische Hochzeit geplant, aber ich hatte schon kroatische, die dann auch relativ groß sind. Ich hatte jüdische Hochzeiten. Da gibt es ganz viele Dinge, die man beachten muss. Vom Essen, das koscher sein muss, über die Voraussetzungen, dass man überhaupt heiraten darf. Ich habe auch indische Hochzeiten geplant. Die laufen wesentlich chaotischer ab. Jede Kultur und jede Religion hat eigene Bräuche und Besonderheiten.

Über wen läuft normalerweise die Kommunikation? Ist die Braut noch die treibende Kraft bei der Hochzeitsplanung?

Wie überall gibt es natürlich solche und solche Brautpaare. Bei den meisten Hochzeiten ist es so, dass beide sehr in die Planung involviert sind, wobei die Bräute in der Regel mehr Entscheidungen treffen als der Bräutigam. Ich habe aber auch schon Hochzeiten erlebt, wo der Bräutigam die treibende Kraft und primärer Kommunikationspartner war. Im Gegenteil dazu gab es aber auch schon Hochzeiten, wo ich den Bräutigam nach einem Jahr der Komplettorganisation erst am Hochzeitstag kennengelernt habe.

Wie langwierig kann man sich die Hochzeitsplanung vorstellen? Sollte man sich am besten noch am Tag der Verlobung melden?

Ich plane eine Hochzeit recht flott und brauche wahrscheinlich nicht länger als eine Woche, wenn das Brautpaar mitspielt. Die Herausforderung ist aber, dass man die richtige Location findet. Nachdem die Brautpaare immer früher beginnen, sind die Locations oft ein Jahr im Vorhinein ausgebucht. Die Brautpaare sind also gezwungen, so früh zu beginnen.

Hat bei einer von Ihnen geplanten Hochzeit schon einmal jemand kalte Füße bekommen?

Ja, tatsächlich habe ich das leider erlebt. Der Bräutigam ist nicht gekommen. Das ist das Allerschlimmste, das einer Braut passieren kann. Dieses Problem kann selbst der beste Hochzeitsplaner nicht lösen.

Werden Sie als Hochzeitsplanerin dafür verantwortlich gemacht?

Natürlich muss man auch in dieser Situation entsprechend reagieren und versuchen zumindest den finanziellen Schaden so gering wie möglich zu halten, d. h. rasch alle Professionisten informieren, bevor sie ihre Tätigkeit aufnehmen bzw. sie nach Hause schicken. Die Braut trösten. Das ist das Einzige, was man wirklich tun kann. Verantwortlich dafür ist man nicht und wird man auch nicht gemacht. Es gibt viele andere Dinge, für die man als Hochzeitsplaner verantwortlich gemacht wird, obwohl man nichts dafürkann. Ob das jetzt den Caterer betrifft, dem das Essen ausgeht oder die Blumen, die falsch geliefert werden. Dessen muss man sich bewusst sein, wenn man diesen Beruf wählt und man muss auch damit umgehen können.

Was unterscheidet Sie von anderen Hochzeitsplanern?

Unser großer Benefit ist die jahrelange Erfahrung. In den letzten 15 Jahren habe ich einfach viel gesehen und gelernt. Ich gehöre zu einer der wenigen vom TÜV zertifizierten Senior Weddingplanner Österreichs.

Wir als „Die Hochzeitsplaner“ haben ein riesengroßes Netzwerk mit den besten Dienstleistern der Branche. Gemeinsam mit einer Kollegin, Susanne Hummel organisieren wir den jährlichen Austrian Wedding Award, die höchste Auszeichnung in der österreichischen Hochzeitsbranche. Wir haben ein Brautmodengeschäft in der Wiener Innenstadt, eine DJ-Agentur, die sich ausschließlich auf Hochzeiten spezialisiert. Wir bieten Fotografie an und haben eine Hochzeitsredneragentur. Einen vergleichbaren Anbieter im Hochzeitssegment gibt es wahrscheinlich in Österreich nicht.

Haben Sie auch schon Hochzeiten von Freunden oder Verwandten geplant oder ist das ein Tabu?

Meine Freunde sind schon über dem Erstheiratsalter und ich hoffe die zweite Hochzeit bleibt aus. Es war aber tatsächlich ein Tabu. Ich habe sie sehr gerne in allen Belangen unterstützt, zu einer umfassenden Hochzeitsplanung kam es aber nicht.  Das wollten meine Freunde auch nicht, es hätte bedeutet, dass ich nicht Hochzeitsgast bin, sondern Hochzeitsplaner – und beides gleichzeitig geht einfach nicht.

Sind Sie manchmal Hochzeitsplanerin und Seelsorgerin für das Paar oder sehe ich das falsch?

Das gehört schon dazu. Eine Hochzeit ist ein hochemotionales und privates Fest. Ich versuche mich grundsätzlich so wenig wie möglich einzumischen. Aber es gibt oft Geschichten mit der Familie oder in der Partnerschaft, die während der Hochzeitsplanung aufpoppen. Weil sich zum Beispiel die Eltern zu sehr einmischen, andere Vorstellungen haben oder weil sich das Brautpaar bei einem gewissen Thema zur Hochzeitsplanung einfach nicht einig wird. Ich würde aber eher sagen, dass ich eine Art Mediatorin bin.

Wie lösen Sie das, wenn die Vorstellungen komplett auseinandergehen?

Grundsätzlich sage ich dem Brautpaar, dass ich mich da nicht einmischen kann und will. Wenn es zu sehr ausartet, versuche ich daran zu erinnern, worum es bei der Hochzeit eigentlich geht. Nämlich, dass zwei Menschen, die sich lieben, zueinander Ja sagen und das mit Freunden und Familie feiern. Wenn man sich das ins Gedächtnis holt, wird man sich viel schneller wieder einig.

Eine etwas privatere Frage: Darf man sich als Hochzeitsplaner scheiden lassen oder killt das die Glaubwürdigkeit?

Glaube ich nicht. Eine ganz liebe Kollegin von mir hat sich scheiden lassen. Wir werden selten gefragt, ob wir verheiratet oder geschieden sind. Ich selbst bin noch verheiratet, aber der Qualität der Arbeit täte eine Scheidung keinen Abbruch.

Haben Sie denn schon Hochzeiten von Promis geplant?

Ja, und wir betreuen prominente Paare absolut diskret. Bei uns sickert da nichts durch. Nicht einmal nachher. Wir posten da auch keine Fotos mit den prominenten Brautpaaren. Natürlich bespricht man mit prominenten Paaren, ob man Medien zulässt oder einlädt. Aber sonst sind diese Brautpaare wie alle anderen und die Gäste sind genauso wie Gäste bei anderen Hochzeiten. Es ist ein privates Fest und das soll es auch bleiben.

Wenn Sie am Morgen ins Büro gehen – oder vielleicht auch nicht ins Büro gehen – wie sieht dann Ihr Arbeitstag aus?

Ich habe grundsätzlich keinen standardisierten Arbeitstag. Auch wenn ich mir das manchmal wünschen würde. Grundsätzlich versuche ich in der Früh einmal meine E-Mails abzuarbeiten. Ich bekomme pro Tag ca. 150 E-Mails. Ich habe immer wieder Termine mit meinen Brautpaaren. Jetzt gerade habe ich eine Candybar abgeholt und war bei einem Vortrag. Die Termine werden vorbereitet, sie gehören nachbereitet. Am Freitag setze ich mich dann immer mit den Ablaufplänen für die nächste Woche auseinander. Am Samstag sind wir in der Saison vorwiegend auf Hochzeiten.

Planen Sie eigentlich auch queere Hochzeiten?

Ja, sehr gerne sogar. Durch das neue Gesetz, welches 2019 in Kraft tritt und nicht mehr nur eine Verpartnerung sondern eine Eheschließung ermöglicht, werden homosexuelle Paare bei der zivilen Trauung dann auch nicht mehr wie Paare zweiter Klasse behandelt. In der Hochzeitsplanung gibt es gar keinen Unterschied zu heterosexuellen Paaren. Was oftmals anders ist, dass für diese Brautpaare nichts selbstverständlich ist. Sie bedanken sich für alles, was man für sie macht, obwohl sie das eigentlich nicht müssten. Sie sind einfach extrem wertschätzend. Offensichtlich gibt es noch immer Bereiche, wo sie auf Ablehnung stoßen. Leider!

Vielen Dank für das Interview!


Über die Interviewpartnerin:

Bianca Lehrner hat nach dem Abschluss Ihres Betriebswirtschaftsstudiums mit ihrem Mann Stefan Lehrner die Agentur „Die Hochzeitsplaner“ gegründet. Seit nunmehr 15 Jahren betreut sie in Wien Brautpaare bei der Organisation ihrer Hochzeit. Ihre Erfahrung gibt sie in ihren Hochzeitsplanungsseminaren gerne weiter.