Heldinnen in der Krise: Wie Frauen die Gesellschaft stützen

In Zeiten von Corona hält unsere Gesellschaft mehr denn je zusammen und Menschen in systemrelevanten Branchen leisten Übermenschliches. Sieht man genauer hin, sind es vor allem Frauen, denen man einen besonderen Dank aussprechen sollte. Denn sie machen die Mehrheit aus, wenn es um Angestellte in jenen Berufen geht, die in dieser Zeit von besonders hoher Bedeutung sind. Die Krise, in der wir uns momentan befinden, wäre ohne die Frauen in unserer Bevölkerung nicht zu bewältigen.

Darum sind Frauen in Corona-Zeiten so wichtig

Wie die Statista-Grafik verdeutlicht, sind es vor allem Frauen, die in Corona-Zeiten dafür sorgen, dass in Deutschland das System läuft. Denn der Anteil an weiblichen Arbeitnehmerinnen überwiegt in jenen Lebensbereichen, die existenziell sind. Der Frauen-Anteil im Lebensmittelhandel, bei Sozialversicherungen und in Krankenhäusern liegt bei mehr als 70 Prozent. In Kindergärten und Vorschulen sind sie sogar mit über 90 Prozent vertreten.[1] In Zeiten der Krise merkt man, dass genau diese Berufe jene sind, die es uns ermöglichen, zumindest etwas an Normalität im Alltag beizubehalten. Dass es Frauen sind, die hier eine Schlüsselrolle einnehmen, wird dabei leider oft in den Hintergrund gerückt.

Auch in den eigenen vier Wänden zeigen sich Frauen als Systemerhalterinnen, wenn es um das System Familie und Kinder geht und das international, weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Eine ILO-Studie, bei der 41 Staaten – darunter alle EU-Länder – untersucht wurden hat gezeigt, dass Frauen im Durchschnitt jeden Tag länger unbezahlte Arbeit leisten als Männer. So kommen weibliche Bevölkerungsmitglieder auf 266 Minuten täglich, während Männer auf erheblich weniger tägliche Minuten kommen, nämlich 108. Zu „unbezahlter Arbeit“ zählt hier etwa das Arbeiten im Haushalt, Angehörigenpflegen aber auch Vereins- und Wohltätigkeitsarbeit.[2] Frauen gebührt also vor allem in dieser Krise, aber eigentlich zu jeder Zeit ein besonderer Dank und Respekt für den unermüdlichen Einsatz, sei es nun im Berufsleben oder im Privaten.


„Bei uns ist der Großteil der Beschäftigen Frauen.“ – Arbeitgeberbewertung bei Hilfswerk Steiermark GmbH


Gehaltsthema nach wie vor relevant

In Zeiten der Corona-Krise zeigen sich zahlreiche Menschen dankbar und wertschätzend gegenüber Arbeitnehmern, die systemrelevante Berufe ausüben. Doch Dankbarkeit und Wertschätzung reichen bei weitem nicht aus. Vielmehr muss bei den Arbeitsbedingungen und vor allem beim Gehaltsthema noch ein Umdenken stattfinden, damit die Menschen, denen wir derzeit so viel zu verdanken haben, unterstützt werden und eine gerechte Belohnung erhalten. Angestellte im Einzelhandel in der Lebensmittelbranche verdienen jährlich 28.126 Euro, während das Gehalt bei Krankenpflegern und Krankenpflegerinnen bei 38.554 Euro im Jahr liegt. Altenpfleger verdienen im Gegenzug pro Jahr 32.932 Euro und Erzieher und Erzieherinnen liegen bei 36.325 Euro jährlich.[3] Betrachtet man diese Gehälter merkt man, dass hier noch einiges an Luft nach oben ist und dass es an der Zeit ist, nicht nur Dankbarkeit zu zeigen, indem man für diese Menschen um 18:00 Uhr aus den Fenstern klatscht.


Internationaler Vergleich

Laut einem OECD-Report, bei dem 29 Länder weltweit, darunter auch Deutschland und Österreich, untersucht wurden, zeigt sich im internationalen Vergleich ein ähnlicher Trend wie bereits beschrieben. Demnach sind zwei Drittel der Beschäftigten im Gesundheitssektor Frauen und fast die Hälfte der Ärzte in den Ländern, die in die OECD-Studie eingeflossen sind, ebenfalls weiblich. Außerdem machen Frauen mit mehr als 90 Prozent die überwiegende Mehrheit aus, was Langzeitpflegekräfte betrifft. Doch damit nicht genug. Noch lange bevor die Corona-Pandemie überhaupt ausgebrochen ist, lag in den OECD-Ländern die Prozentzahl der Frauen, die „unbezahlte Arbeit“ im Privatleben, wie Kindererziehung und Angehörigenpflege, übernehmen, bei nahezu 80 Prozent.[4] International gesehen, sind sie also nicht nur im Berufsleben wahre Heldinnen, sondern auch im Privaten und das nicht nur aufgrund der Corona-Krise.


„Da Krankenpflege eher eine Frauendomäne ist, ist auch hier der Frauenanteil deutlich höher.“ – Arbeitgeberbewertung bei Krankenhaus Maria Hilf 


Auf kununu.com können Arbeitnehmer anonym ihre Erfahrungen im Umgang mit der Corona-Krise teilen. Die eingegangenen Informationen fließen in den kununu Corona Employer Transparency Ticker, der täglich aktualisiert wird. Aber auch Arbeitgeber werden von uns gehört und können unter covid-insights@kununu.com geplante oder bereits umgesetzte Maßnahmen bekanntgeben.

Hannah Reumann

Hannah ist seit März 2020 Mitglied der kununu Redaktion und schreibt Artikel über verschiedene Themen rund um die Arbeitswelt. Sie wohnt in Wien und studiert derzeit berufsbegleitend Marketing- und Salesmanagement im Masterstudiengang.


Quellen:

[1] statista.com
[2] derstandard.at
[3] focus.de
[4] OECD