Hasta la vista, Chef – So wirst du ihn los

Lächeln, nicken, weitergehen – und insgeheim denkst du dir: Es reicht. Das halte ich keinen Tag länger aus. Denn dein Chef ist nicht nur inkompetent, sondern auch unzuverlässig und verbreitet mit seiner cholerischen Empathielosigkeit mehr Eiseskälte im Büro als Elsa aus Frozen. Klar könntest du jetzt einfach Reißaus nehmen und deinen Job kündigen – doch ein echter Held überlässt dem Bösewicht nicht einfach das Feld. Wir erklären dir, was du tun kannst, damit dein Chef die Koffer packt.

Welcome to the dark side.

Bevor es los geht: Nein, dies wird keine Liste mit fiesen Lästertiraden und gemeinen Attacken. Hier geht es nicht darum, deinen Chef in die Walachei zu verbannen, nur weil dir seine Nase nicht passt. Jemanden aus einer Firma zu mobben und herauszuekeln, ist wirklich die unterste Schublade. Damit du aber einen professionellen – und fairen – Weg gehen kannst, hier ein paar Infos vorab: Assistenzprofessor Seth Spain von der Universität Birmingham hat sich in seiner Forschung zu Stress und Wohlbefinden am Arbeitsplatz in einer These mit schlechten Chefs und ihren unterschiedlichen Verhaltensweisen auseinandergesetzt, denn die können sich manchmal zum echten Horror entpuppen.

Seiner Definition nach gibt es zwei Arten von Bad-Bosses:  Der „dark“-Boss hat – wie der Name schon erahnen lässt – dunkle Charaktereigenschaften. Er macht andere Menschen gezielt klein und genießt den Schmerz und das Leid. Spain beschreibt dies als dunkle Triade, die sich durch Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus kennzeichnet. „Sie werden im täglichen Leben gemein, beleidigend und belästigend sein“, so Spain. Der zweite Typ Boss ist das geringere Übel, aber nicht unbedingt weniger belastend für Arbeitnehmer. Der „dysfunctional-Boss“ will eigentlich nichts Böses, doch mangelnde Fähigkeiten oder fehlende Empathie bzw. Verständnis für das große Ganze führen dazu, dass er einfach nicht gut ist, in dem was er tut.[1]

Findest du das nicht auch?

Wenn du also in einem der zwei Typen deinen Chefs wiederkennst, solltest du – bevor du in Kampfhaltung Richtung Pausenraum stürmst, um ihn von seinem Mensa-Thron zu stürzen – einmal in dich gehen: Ist das wirklich so oder vernebelt meine Selbstwahrnehmung die Realität? Höre dich erstmal bei Kollegen um und mache dir ein allgemeines Bild. Wichtig dabei: Bitte nicht den Flurfunk ankurbeln à la „findest du nicht auch, dass er ein inkompetentes Arschloch ist?“ Das führt nicht wirklich zu einem neutralen Meinungsbild und verleiht dir schnell den Titel Lästermaul des Jahres. Im schlimmsten Fall wollen die Kollegen dann dich loswerden – und das eigentlich auch zurecht.

Auch wenn du an kein Wunder mehr glaubst, solltest du versuchen vor den nächsten Schritten einmal mit deinem Chef persönlich zu reden. Im besten Fall hast du dir konkrete Daten und Vorfälle notiert, auf die du dich bei eurem Gespräch beziehen kannst. Auch wenn es dir schwerfällt, formuliere diese Situationen und Wahrnehmungen aus deiner Sicht, ohne deinem Chef Vorwürfe zu machen oder beleidigend zu werden – selbst, wenn du deiner Meinung nach allen Grund dazu hast. Auch wenn diese Unterhaltung am Ende zu nichts führt, sie ist aus zwei Gründen wichtig: Zum einen kannst du für dich persönlich überprüfen, ob die Situation für euch beide wirklich aussichtslos ist. Zum anderen bildet sie die Grundlage für den nächsten Schritt.

Das sehe ich anders.

Denn jetzt wird es Zeit, dich an einen Vorgesetzten bzw. an einen Vertrauten zu wenden, der – ganz wichtig – mehr zu sagen hat als du, oder besser noch: Auch mehr als dein Chef. Im optimalen Fall seid ihr euch sympathisch und du kannst der Person vertrauen. In großen Unternehmen eigenen sich hierfür meist die Personalabteilungen, aber Achtung: Irgendjemand aus diesem Team hat deinen Chef schließlich eingestellt. Kritik an dieser Person ist also gleichzeitig der Fingerzeig auf eine Fehlentscheidung.

Damit du das Problem sachlich schildern kannst, nehme wieder deinen Notizzettel mit Daten und Fakten in die Hand. Außerdem kannst du nun belegen, dass du die Situation bereits selber klären wolltest und du deinen Chef auf die Vorfälle angesprochen hast. Dies zeigt, dass du für deine Meinung einstehen kannst und nicht bei jeder Kleinigkeit andere deine Probleme lösen lässt. Und auch wenn du bereits weißt, dass andere Kollegen ähnlich über deinen Vorgesetzten denken, ziehe sie nicht namentlich in die Angelegenheit mit hinein. Das wirkt so, als wärst du nicht selbstsicher genug, um deine Position alleine zu vertreten und ernst zu nehmen – und warum sollte das dann der Personaler tun? Sollte sich auch nach diesem Gespräch nichts ändern, wende dich – je nach Firmengröße – an den Betriebsrat. Denn gerade, wenn es um Mobbing geht, hat dein Arbeitgeber rechtliche Pflichten dir gegenüber!

Hier findest du Informationen zu Mobbing am Arbeitsplatz in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

 

Quellen:

binghamton.edu [1]