Hast du’s drauf? Der Computer sagt es dem Arbeitsamt.

Die Digitalisierung macht vor nichts halt: Unsere Dates bestimmt eine App, unser Essen der Lieferdienst und unseren Arbeitsplatz seit neuestem ein Computerprogramm. Das AMS, das österreichische Pendant zur Bundesagentur für Arbeit, hat nämlich einen Algorithmus eingeführt, der bestimmt, wie gut die Chancen für einen Wiedereinstieg in den Job bei Arbeitslosen sind. Wir fragen uns: Kann das ein Computer überhaupt beurteilen?

Alles neu macht das Arbeitsamt, oder nicht?

Die Idee ist bei weitem nicht neu. Denn hinter dem Algorithmus steckt keine hypermoderne Zauberei, sondern eine altbewährte Methode aus der Sozialwissenschaft. Wie das funktioniert? Im Prinzip kann man sich darunter eine mathematische Gleichung vorstellen, bei der auf der einen Seite ein Wert für die Wahrscheinlichkeit eines Wiedereinstiegs in die Arbeitswelt steht. Auf der anderen Seite sind persönliche Merkmale wie Geschlecht, Alter, Ausbildung, Staatsbürgerschaft und dergleichen festgehalten. Diese Merkmale sind mit Erfahrungswerten des AMS verknüpft und berechnen so, wie sich das Merkmal auf den Wiedereinstieg auswirkt. Am Ende wird der Arbeitslose in eine von drei Gruppen eingeteilt: Der Kandidat hat niedrige, mittlere oder hohe Chancen, in den nächsten Monaten einen Job zu finden. Je nachdem wie hoch das Potential des Arbeitslosen ist, bekommt er dementsprechend teurere, billigere oder keine Kurse vom AMS bezahlt.

Negativfaktor Frau

Ist schon klar, das klingt nach viel Mathematik, aber du fragst dich nach dem Sinn dahinter? Kurz gesagt: Das Programm soll all jene Fehler ausmerzen, die auf menschlichem Versagen beruhen. Stereotypen und Co. schreien in unseren Köpfchen nämlich laut auf, wenn es darum geht, Menschen einzuordnen. Alte Menschen sind schlechter vermittelbar. Frauen werden sowieso bald schwanger. Berufseinsteiger haben keine Ahnung. Mit all diesen Vorurteilen soll von nun an Schluss sein – sollte. Denn genau jene Stereotypen berücksichtigt der Algorithmus trotzdem. Frauen bekommen automatisch einen negativen Faktor von 0,14 angerechnet. Nicht-EU-Bürger und kein Pflichtschulabschluss sorgen ebenfalls für Abzugspunkte. Wo dabei die Gerechtigkeit bleibt? Das wissen wir leider auch nicht, doch sicher ist, dass jener Algorithmus in Zukunft weiterhin dazu beitragen wird, das sich die gesellschaftliche Ungleichheit fest in unserer Kultur verankert.

Vorbild für Deutschland?

Was die Österreicher machen, können die Deutschen schon lange? Nicht ganz, denn bis dato baut die Bundesagentur für Arbeit noch auf klassische Forschungsergebnisse, Erkenntnisse aus Statistiken und eine persönliche Beratung – fern von High Tech. Experten auf diesem Gebiet sind sich jedoch sicher, dass immer mehr Algorithmen auch in der Personalpolitik das Ruder übernehmen werden – wenn auch nicht zur Gänze. Denn Personalexperte Uwe Schuricht gibt gegenüber bewerbung.com zu bedenken: „Algorithmen werden Personaler nicht ersetzen können. Aber dennoch gehört die Zukunft gut ausgebildeten HR-Spezialisten, die souverän mit dieser digitalen Technologie umgehen können.“ Dann sind wir einmal gespannt auf die Zukunft! Ob wohl das nächste Bewerbungsschreiben zur Gänze nur mehr ein Computerprogramm bearbeiten wird?

 

 

Quellen:

derstandard.at

profil.at

spiegel.de

bewerbung.com