Grau, eintönig, autoritätshörig – die Beamten von heute?

Tut, tut, tut … bitte haben Sie noch ein wenig Geduld … tut, tut, tut. Eine Ansage, die alle, die schon einmal mit dem öffentlichen Dienst in Verbindung treten wollten, nur zu gut kennen. Tja, klar, dass man ewig warten muss, wenn der Herr Beamte am anderen Ende der Leitung erstmal seinen Kaffee schlürfen, das Kreuzworträtsel beenden und die Zeitung auslesen muss. Doch stimmt das Image der staubigen, faulen und langsamen Staatsdiener noch? Wir haben uns zum Ziel erklärt, aufzudecken, wie es bei den Beamten von heute wirklich zugeht!

Hahahah. Oder doch nicht?

26.700 Treffer auf Google unter dem Begriff „Beamtenwitze“. Wenn man durch die Trefferliste scrollt, könnte man meinen, es sei ein Hobby der Deutschen und Österreicher über diejenigen herzuziehen, die eigentlich das System am Laufen halten. Ob die kreativen Einfälle entstehen, während man stundenlang auf die Ausstellung eines neuen Reisepasses wartet? Vielleicht! So könnte zumindest folgender Witz entstanden sein: “ Was ist Beamtenmikado? Wer sich zuerst bewegt, hat verloren!“ Ha ha ha, sehr lustig – denken sich wohl die meisten Betroffenen. Denn die Realität sieht vollkommen anders aus. Beamte arbeiten heutzutage im Schnitt nicht 35 Stunden pro Woche, sondern 41 Stunden, sind im Schnitt 12% länger berufstätig als Angestellte in der Privatwirtschaft und machen gratis Überstunden. Du glaubst, dafür stimmt wenigstens der Lohn? Falsch gedacht! Denn auch wenn man schon seinen Drehstuhl lange eingesessen hat, der Schreibtisch mit Bildern der Enkelkinder geschmückt ist und langsam die Arthritis in den Fingern droht, verdient ein Beamter noch immer rund fünf Prozent weniger als ihre Kollegen aus der privaten Wirtschaft.

Baby, turn me on!

Abgesehen davon, dass dich das ganze Land für faul hält, wenn du deinen Berufsstand verkündest, scheint der Beamtenstatus dennoch sehr verkuppelungsfähig zu sein. Alleine in Deutschland beschäftigen sich nämlich 1.672.415 tagein, tagaus mit Ärmelschonern und Brille bewaffnet mit dem Wohl des Staates. Das bedeutet 1.672.415 Posten, die lebenslang nicht mehr gekündigt werden können. Lächerlich, diese Pragmatisierung für die paar Stunden Akten schieben? Das sehen viele anders, zum Beispiel der Staatsanwalt. Durch seinen „feuerungssicheren“ Chefsessel ist er nämlich immun gegen Einflussnahmen durch Politik oder Interessensvertretungen. So kann er entspannt, ohne um seine Karriere fürchten zu müssen, jegliche politische Skandale verfolgen. Vielleicht ist das ja der Grund, warum es leicht fällt sich in Mama Staat zu verlieben und eine Beziehung auf Lebenszeit einzugehen.

Der Staat und seine treuen Diener

Wie in jeder großen Familie gibt es auch im Stamm der Beamten schwarze Schafe und Superhelden. Wer davon wer ist? Auch wenn sie unseren Zöglingen den wertschätzenden Umgang miteinander beibringen, geht der Respekt für Lehrer oft verloren. Leider ist ihr Beamtenstatus oft Anreiz, sich mit häufigen Krankenständen und minimalem Einsatz über die Jahre zwischen Uni-Abschluss und Frühpensionierung über das Leben eines unglücklichen Lehrers hinwegzuretten. So ist der Lehrer im Burnout, während die Familienhelfer über zu viel Arbeit fluchen und die Polizisten auf der Straße immer weniger werden, weil sie vor lauter Papierkram kaum noch zu sehen sind. Und trotzdem werden die Blauhemden immer die Superhelden unter den Beamten bleiben. In der Arbeit schlagen sie sich mit Betrunkenen mit Kurzschwertern, Pfefferspray-Attacken und Schnellfahrern herum, während zu Hause die Familie mit Vorwürfen über den Schichtdienst und die unregelmäßigen Arbeitszeiten wartet. Aber wenn dann doch einmal der Ganove in Handschellen neben unserem Beamten steht, ist sogar die Mutti stolz. Fast so sehr, wie der Burli sein erstes Zeugnis von der Frau Lehrerin in die Hand gedrückt bekam.

Wir brauchen dich!

Du willst auch deine Eltern stolz machen? Deine Chancen stehen gut! Denn alleine in den nächsten Jahren werden in Deutschland über 700.000 neue Beamte benötigt. Schafft es Mama Merkel nicht, die Stellen rechtzeitig nach zu besetzen, vernimmt man wohl bald ein „ναι!“ wie in Griechenland. Dort wurde nämlich sichtbar wie wichtig die höchsten Diener des Landes sind. Waldbrände wüten, weil die Feuerwehr nicht funktioniert. Lehrer haben vor einigen Jahren für eine zwanzigprozentige Lohnerhöhung acht Monate lang gestreikt. Ein ganzer Schülerjahrgang bekam keine Abgangszeugnisse, verlor ein Jahr Schulbildung. Kein Grund zur Sorge, derart drastisch kann es bei uns nicht bergab gehen, schließlich unterliegen deutsche und österreichische Beamte einem Streikverbot. Klingt spießig? Kommt noch besser! Um einen Job für den Staat annehmen zu dürfen, musst du einen tadellosen Leumund haben und darfst bisher für keine einzige Straftat im Bundeszentralregister vorgemerkt sein. Also, nichts für Strizis! Dann kommt man wohl doch eher zu dem Schluss, dass einen noch viele Jahre lang graue, eintönig und autoritätshörige Beamte hinter Behördenschaltern erwarten werden, statt Punk-Rocks oder Birkenstock-Fans!

 

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Beamte

 

Quellen:

welt.de

beamten-infoportal.de

derstandard.at