Warum das Wort „noch“ den Unterschied für deine Karriere macht

Wie verhält sich dein Gehirn, wenn du etwas nicht schaffst? Dieser Frage geht Carol Dweck, Psychologieprofessorin an der Standford Universität, in ihrer Forschung zu „Growth Mindset“ und ihrem TEDTalk auf den Grund. Dabei stellt sie fest: Scheinbar macht ein Wort in unserem Gedankengang den entscheidenden Unterschied. Was es damit auf sich hat, erfährst du hier.

„Ich kann das nicht.“

Stell dir vor, du stehst vor einer Aufgabe, die dich enorm herausfordert und an deine Grenzen treibt. Ganz gleich, ob es sich dabei um dein bevorstehendes Bewerbungsgespräch, die langersehnte Gehaltsverhandlung mit deinem Chef oder die fällige Diskussion mit dem Kollegen, in der du endlich „Nein“ sagen willst handelt. Du brauchst deinen ganzen Mut. Und als es ernst wird und du Anlauf nimmst – schaffst du es nicht.

Wie konnte das passieren? Laut der Expertin, weil wir uns selbst immer und immer wieder vorwerfen: „Ich kann das nicht.“ Und darauf folgen Gedankengänge wie „Ich bin nichts wert. Aus mir wird nie etwas.“ Mit dieser starren Denkweise katapultieren wir uns Dwecks Erkenntnisse nach immer weiter ins Aus: Wir fliehen vor unseren Fehlern und tun alles, um ihnen nicht erneut zu begegnen. Noch ein Bewerbungsgespräch? Mich will eh keiner. Die Gehaltserhöhung vom Chef? Bekomme ich sowieso nicht. Dabei wäre es so leicht: Wir müssten nur unser Mantra von „Ich kann das nicht“ in „Ich kann das noch nicht“ ändern.

Wir schauen nur auf das „jetzt“.

Dies zeigt sich zumindest in einer Studie der Psychologieprofessorin: Sie untersuchte, wie Kinder mit Herausforderungen und Schwierigkeiten umgingen. Sie teilte ihnen Aufgaben zu, die etwas zu schwer für sie waren und erkannte schnell zwei dominante Handlungsmuster: Die einen Kinder fokussierten sich auf das „jetzt“ und darauf, wie sie in ihren Augen katastrophal an der Aufgabe scheiterten. Bei Messungen der elektrischen Gehirnaktivität ließen sich bei Kindern mit dieser Denkweise kaum Aktivitäten feststellen.

Ganz anders verlief dies bei Kindern, die sich auf die Überlegungen von „noch nicht“ stützen. Sie sahen die Aufgaben als Herausforderungen, als einen Weg etwas dazuzulernen. Obwohl sie die Anforderungen nicht erfüllen konnten, glaubten sie fest daran, dass ihre Fähigkeiten noch ausbaufähig waren und zeigten deutlich wachstumsorientierte Einstellungen: Ihre Gehirne waren vom „noch nicht“ beflügelt und sie beschäftigten sich mit dem Thema, verarbeiten Fehler und korrigierten sie.

Lernprozess mit Zukunftsperspektive.

Wenn wir uns selber mit den Worten „noch nicht“ ermutigen, passiert erstaunliches im Gehirn: Plötzlich befinden wir uns nicht vor einer Sackgasse, aus der es keinen Ausweg gibt, sondern in einem Lernprozess mit Zukunftsperspektive.

Die simplen Wörter „noch nicht“ und „nicht ganz“ können uns ein größeres Selbstvertrauen geben und neue Weg zeigen, die unsere Ausdauer stärken. Wagen wir uns aus unseren Komfortzonen heraus, um etwas Neues und Schwieriges zu erlernen, bilden unsere Neuronen im Gehirn neue und stärkere Verbindungen. Wenn du dir also das nächste Mal in deinem Job – oder auch im Alltag – denkst: Ich kann das nicht. Dann sei ehrlich zu dir selbst. Ist das bloß eine Ausrede? Und bist du nicht vielleicht besser als du denkst?

 

Quelle:
Carol Dwecks TEDTalk „The power of believing that you can improve“