Du bist schön? Du kriegst den Job!

Ziemlich ungerecht: Attraktiven Menschen fliegt im Leben alles zu. Das besagen jedenfalls mehrere psychologische Studien. Schuld daran ist wohl der Halo-Effekt. Von der Schönheit einer Person schließen wir auf bisher unbekannte Eigenschaften. Wenn du zum Beispiel generell Menschen attraktiv findest, die Geld haben, dann denkst du wahrscheinlich, dass die schöne Person reich ist. Obwohl du sie nicht einmal kennst. Ganz unbewusst. Setzen die hübschen Menschen ihren Siegeszug auch bei der Jobsuche fort? Kann ein Durchschnittsmensch gegen die schöne Konkurrenz einpacken?

Gerüchteküche

Hast du dich schon einmal bei dem Gedanken ertappt, dass dein Chef den hübschen Kollegen bevorzugt und mehr wertschätzt? Oder bist du vielleicht selbst der attraktive Kollege und musstest dich im Job nie anstrengen? Ein weiteres Gerücht besagt: Männer haben es im Leben leichter. Es scheint tatsächlich so, als hätten nur hübsche Männer im Bewerbungsprozess den Jackpot geknackt.

Bewerbungen von attraktiven Männern werden laut einer Untersuchung der Ben-Gurion-Universität im israelischen Be’er Scheva am häufigsten beantwortet. Sie bekamen in 20 Prozent der Fälle eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Wie kann das sein? Angelina Jolie hat es ja schließlich auch geschafft. Nun musste Angelina als Hollywood-Schauspielerkind wahrscheinlich nie einen normalen Bewerbungsprozess durchlaufen. Vor der Kamera kommt die weibliche Schönheit an, auf den Bewerbungsunterlagen für eine Stelle als Vertriebsleiterin eher nicht. Der Human-Resources-Bereich hat einen Frauenanteil von rund 70 Prozent. Hübschen Bewerberinnen machen viele von ihnen das Leben schwer. Am Ende steht nur bei 13 von 100 vorab als schön beurteilten Frauen die Einladung zum Vorstellungsgespräch. Die Wissenschaftler der Ben-Gurion-Universität begründen das vor allem mit Neid. Die Personalerinnen hätten manchmal Angst, dass die Bewerberin ihnen den Rang ablaufen könnte. Nicht unverständlich, wenn die Bewerbung von Angelina Jolie eintrudelt.

Schönheit macht sich bezahlt

Beim Bewerbungsgespräch werden die Karten neu gemischt. Auch schöne Frauen haben jetzt die Chance auf einen „Sonderbonus“. Laut einer Studie von IZA World of Labour können attraktive Frauen bei unseren deutschen Nachbarn ein rund 20 Prozent höheres Einstiegsgehalt aushandeln. Dieses Mal sind sogar die Männer in einem kleinen Nachteil. Sie bekommen „nur“ 14 Prozent mehr als ihre Kollegen mit Durchschnittsgesicht. Wieso das so ist, ist nicht klar. Es könnte sogar umgekehrt so sein, dass die unschönen Mitarbeiter einen Abzug bekommen. Das Einkommen der Hübschen sei eigentlich quasi der Standard. Übrigens: In gut bezahlten Branchen zählen tatsächlich eher andere Kompetenzen als nur das hübsche Gesicht. Ohne Berufserfahrung und Uni-Abschluss hätte da nicht einmal Justin Bieber eine Chance.

Zukunftsmusik

Vielleicht ist es die Zeit, in der wir leben. Modelmaße und Sixpack treffen heute oft auf Schönheitsoperationen. Als Sonja Bischoff, eine mittlerweile verstorbene Professorin für Sozialökonomie, 1986 ihre erste Studie zum Thema „Wer führt in (die) Zukunft“ durchführte, war das Ergebnis erstaunlich. Nur sechs Prozent der Personalchefs befanden das Aussehen der Bewerber damals für ausschlaggebend. Im Jahr 2008 trafen diese Aussage schon 32 Prozent. In Bischoffs letzter Studie aus dem Jahr 2010 wurde aber schon wieder ein minimaler Abwärtstrend festgestellt. Attraktivität ist ein großer Bonus, die Qualifikationen müssen aber erfüllt sein.

Wie steht es um deine Karriere?

Quellen:
[1] IZA World of Labour
[2] Human Resources Manager