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Doppelbudget 2027/28

Doppelbudget: Großer Wurf oder „Harakiri“ für Beschäftigte?

Veröffentlicht:  9. Juli 2026, 14:24
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89. Sitzung des Nationalrats in der 28. Gesetzgebungsperiode – Budgetbegleitgesetz 2027-2028
Foto © Parlamentsdirektion

Am Freitag beschließt Österreichs Nationalrat das Doppelbudget 2027/28 – und Geringverdiener:innen zahlen künftig wieder den vollen Arbeitslosenversicherungsbeitrag von 2,95 Prozent. Die Dreierkoalition feiert einen „großen Wurf“, die Opposition zerpflückt das Paket als „Harakiri-Budget“. Für Arbeitnehmer:innen steckt beides drin: Entlastung und neue Kosten.

Geringverdiener:innen zahlen bald den vollen Beitrag

Der reduzierte Arbeitslosenversicherungsbeitrag von 2008 fällt schrittweise weg. Künftig werden auch niedrigen Einkommen wieder 2,95 Prozent abgezogen – für bestehende Jobs gestaffelt, für neue schneller. Im Nationalrat warnten Rosa Ecker (FPÖ) und Meri Disoski (Grüne), dass davon vor allem Arbeitnehmerinnen betroffen seien.

Das ändert sich für Arbeitnehmer:innen:

  • Voller Arbeitslosenversicherungsbeitrag von 2,95 Prozent für Geringverdiener:innen, mit Übergangsfristen
  • Familienbeihilfe, Kinderbetreuungsgeld und Schulstartgeld bleiben 2028 auf dem alten Stand
  • Pensionsanpassung 2027 knapp unter der Teuerung
  • Neue Paketsteuer auf Warensendungen
  • Sinkende Lohnnebenkosten: Dienstgeberbeitrag fällt ab 2028 auf 2,7 Prozent

Regierung sieht „großen Wurf“, Opposition „Harakiri“

Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) feierte die Senkung der Lohnnebenkosten, die Hunderttausende Arbeitsplätze absichere und bis zu 12.000 neue schaffe. Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) betonte, Banken und Besserverdienende – die „breiten Schultern“ – trügen mehr zur Sanierung bei.

Ganz anders die Opposition. FPÖ-Chef Herbert Kickl sprach von einem „Harakiri-Budget“; die Leistungsträger seien die „Trottel der Nation“. Grünen-Chefin Leonore Gewessler nannte das Budget „in Zahlen gegossene Ungerechtigkeit“, weil Vermögende ohne Erbschaftssteuer nicht beitrügen.

Caritas warnt vor der Summe der Kürzungen

Caritas-Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler warnte vor einem Budget, „das sozial schlicht nicht verträglich ist“. Jede Kürzung für sich sei verkraftbar – die Summe bringe Menschen an ihre Belastungsgrenze. Besonders betroffen seien Niedrigverdienende, Familien und Frauen.

Für viele heißt das: weniger Netto.

Beschlossen ist das Begleitgesetz bereits, über das Gesamtbudget stimmt der Nationalrat am Freitag ab. Ob am Ende der „große Wurf“ steht oder die Rechnung für Beschäftigte, zeigt sich weniger im Plenum als später am Lohnzettel.