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Ferienkürzung?

Debatte um Kürzung der Sommerferien: Was Eltern bisweilen beim Arbeitgeber erfragen können

Veröffentlicht:  16. September 2026, 15:24
3 min
Mutter arbeitet im Homeoffice während Kinder toben.

Neun Wochen Sommerferien – aber für die meisten Beschäftigten gibt es nur fünf Wochen Jahresurlaub. Diese Rechnung geht für viele Familien in Österreich nicht auf. Jetzt hat WKO-Präsidentin Martha Schultz die Debatte neu entfacht: Sie will diskutieren, ob sechs Wochen Sommerferien nicht reichen würden. Bis sich tatsächlich etwas ändert, bleibt Eltern vor allem eines: Betreuung organisieren – und mit dem Arbeitgeber verhandeln.

Sechs statt neun Wochen Sommerferien?

Schultz begründet ihren Vorstoß vor allem mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Kürzere Sommerferien könnten insbesondere Frauen entlasten, da sie weiterhin einen großen Teil der Betreuungsarbeit übernehmen. Gleichzeitig fordert sie flächendeckende Betreuungsmöglichkeiten bis zum Ende der Pflichtschulzeit.

Die Idee stößt allerdings auf Widerstand. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) lehnt eine generelle Verkürzung ab und verweist auf die notwendige Erholung von Kindern und Jugendlichen. Auch aus der Bildungsgewerkschaft kommt Kritik. In Vorarlberg wird stattdessen etwa ein weiterer Ausbau der Ferienbetreuung gefordert.

Gestresster Vater im Homeoffice mit Kind.
Wer weniger als 25 Dienstjahre hat, kommt in Österreich grundsätzlich auf fünf Wochen gesetzlichen Jahresurlaub. Schülerinnen und Schüler haben im Sommer rund neun Wochen frei – Weihnachts-, Semester- und Osterferien noch gar nicht mitgerechnet.

Auch kürzere Ferien lösen nicht jedes Betreuungsproblem

Denn nicht nur die Schulferien sind für berufstätige Eltern eine Herausforderung. Auch fehlende Betreuungsplätze, kurze Öffnungszeiten und Schließtage können zum Problem werden.

Familienministerin Claudia Bauer räumte Anfang September ein, dass es in vielen Regionen weiterhin zu wenige Plätze und unzureichende Öffnungszeiten gibt. Der Bund stellt deshalb in den kommenden beiden Jahren jeweils 300 Millionen Euro für den Ausbau der Kinderbetreuung bereit. Das Geld soll unter anderem für mehr Plätze, weniger Schließtage und bessere Öffnungszeiten eingesetzt werden.

Dass Eltern bisher improvisieren müssen, zeigte bereits eine Untersuchung der Arbeiterkammer Wien aus dem Jahr 2024: Eltern berichteten dort, dass sie sich mit Urlaub und Zeitausgleich abwechseln oder ihre Kinder während des Homeoffice betreuen. Rund jeder zehnte befragte Elternteil gab sogar an, wegen der Betreuung die Arbeitszeit zu reduzieren.

Was Eltern beim Arbeitgeber ansprechen können

Einen gesetzlichen Anspruch darauf, in den gesamten Sommerferien frei zu bekommen, gibt es nicht. Auch der Zeitpunkt des Urlaubs kann grundsätzlich nicht einseitig festgelegt werden: Wann Urlaub genommen wird, müssen Beschäftigte und Arbeitgeber miteinander vereinbaren.

  • Eltern können beispielsweise klären, ob Homeoffice, flexible Arbeitszeiten, Gleitzeit oder angesparter Zeitausgleich möglich sind.
  • Auch eine vorübergehende Reduzierung der Arbeitszeit oder unbezahlter Urlaub können – sofern Arbeitgeber und Beschäftigte sich darauf einigen – eine Möglichkeit sein.
  • Manche Unternehmen bieten selbst Ferienprogramme, Kooperationen mit Betreuungseinrichtungen oder Zuschüsse zu Betreuungskosten an. Gerade bei größeren Arbeitgebern lohnt sich deshalb die Nachfrage bei HR oder dem Betriebsrat.
  • Wer auf die Schulferien angewiesen ist, kann frühzeitig ansprechen, ob Eltern bei der Planung bestimmter Ferienwochen berücksichtigt werden können. Ein automatischer Vorrang gegenüber kinderlosen Kolleg:innen ergibt sich daraus allerdings nicht.

Pflegefreistellung ist kein Ersatz für Ferienbetreuung

Einfach Pflegefreistellung zu nehmen, wenn während der Ferien niemand auf das Kind aufpassen kann, funktioniert dagegen nicht. Sie kommt etwa infrage, wenn ein Kind krank ist oder die Person, die ein gesundes Kind ständig betreut, aus schwerwiegenden Gründen ausfällt. Beschäftigte haben grundsätzlich Anspruch auf eine Woche Pflegefreistellung pro Arbeitsjahr; unter bestimmten Voraussetzungen gibt es für erkrankte Kinder unter zwölf Jahren eine zweite Woche.

Die planmäßigen Sommerferien allein begründen damit keinen Anspruch auf zusätzliche bezahlte Freizeit.

Am besten lange vor den Sommerferien planen

Ob die österreichischen Sommerferien tatsächlich irgendwann von neun auf sechs Wochen schrumpfen, ist derzeit offen. Bis sich daran strukturell etwas ändert, lohnt es sich, nicht erst kurz vor Ferienbeginn nach einer Lösung zu suchen. Homeoffice, flexible Arbeitszeiten, Zeitausgleich, Unterstützung bei der Ferienbetreuung und eine familienfreundliche Urlaubsplanung sind deshalb Fragen, die Eltern frühzeitig mit ihrem Arbeitgeber klären können.