Top-Kandidat

Bewerbung: Bist du ein Top-Kandidat?

In Stellenanzeigen finden sich die wildesten Vorstellungen von Unternehmen. Aber selbst dann, wenn du alle Anforderungen eines Jobs erfüllst, bekommst du die Rückmeldung: „Wir haben uns leider für einen anderen Kandidaten entschieden.“ Damit das in Zukunft nicht mehr passiert, haben wir uns in diesem Artikel genauer angesehen, was einen Bewerber für Unternehmen eigentlich zum Top-Kandidaten macht.

High Potential was?

Wenn ein Unternehmen deine Bewerbung erhält, checkt es blitzschnell ab, ob du eine Zukunft bei ihnen hast – bist du ein High Potential für die Firma? Oder wirst du zuerst horrende Kosten verursachen und dann gleich wieder kündigen, weil du für die Stelle nicht geeignet bist? Echte High Potentials kommen meistens mit einem akademischen Abschluss oder sind fachlich perfekt ausgebildet. Sie sind charakterlich in der Lage, überdurchschnittliche Leistungen im Job zu erzielen und verfügen über eine Bandbreite an berufsspezifischem Wissen.

Im Personalwesen werden Bewerber häufig sogar in A-, B- oder C-Kandidaten unterteilt. Ein A-Kandidat scheint perfekt für die Stelle geeignet und erfüllt – jedenfalls laut seiner Behauptungen – alle Anforderungen für die freie Stelle. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass ein A-Kandidat zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird. Bei einem B-Kandidaten beurteilt Human Resources (HR) die Qualifikation, die Soft Skills und die Berufserfahrung zwar gut, im Auswahlprozess steht er aber hinter dem A-Bewerber. Schlechte Karten hat ein C-Kandidat, der häufig schon direkt eine Absage kassiert. Nun aber los, was macht einen A-Bewerber aus?

Erfahrung

18 Jahre alt, fünf Jahre Berufserfahrung und eine geringe Gehaltsvorstellung – das klingt wohl für jeden Personaler nach der absoluten Traumvorstellung eines Bewerbers. Ganz sicher ist: Deine Erfahrung ist unglaublich wichtig für die Stelle und macht dich im besten Fall zum Top-Kandidat. Dabei ist gar nicht unbedingt so wichtig, ob du in dem konkreten Job schon seit Jahren gearbeitet hast. Nein. Vielmehr geht es darum, dass du Hintergrundwissen zur Branche und zu den speziellen Herausforderungen haben solltest. Dir muss klar sein, was auf dich zukommen wird und wie du dich optimal darauf vorbereiten kannst. Als völliger Laie ist das eher schwer.

Engagement

Frisch aus der Uni und im Lebenslauf steht kein einziges Praktikum? Dann gehörst du wohl eher nicht zu den Top-Kandidaten für eine Einstiegsstelle. Dagegen zeugt es zum Beispiel von hohem Einsatz, wenn du dich von einer Werkstudentenstelle in einer Firma hochgearbeitet hast und bis zuletzt festangestellt warst. Du hast dir die Beförderung schließlich selbstständig erarbeitet. Engagieren müssen sich aber nicht nur die Nachwuchskräfte. Ganz im Gegenteil. Mitten im Berufsleben stehend, ist es wichtig, dass du bereit bist, die Extra-Meile zu gehen. Du fuchst dich in eine Aufgabe, bis sie absolut perfekt ist. Und selbst nach Abschluss eines Projektes denkst du noch daran, wie man es weiter verbessern kann. Nun ist es jedoch nicht ausschließlich deine berufliche Erfahrung, die zu diesem Punkt zählt. Zu gutem Engagement gehört unter anderem auch eine ehrenamtliche Tätigkeit. Du warst in den letzten Jahren Fußballtrainer der G-Jugend? Das könnte das Zünglein an der Waage sein. Schließlich weißt du, wie man wütende 6-Jährige beruhigt, ein Team führt und zusammenhält, sowie Helikopter-Eltern erfolgreich abwehrt.

Bescheidenheit

„Mann, bin ich geil!“ – so eine Aussage kommt eher nicht so gut. Was untertreiben wir, sie wird vermutlich zum sofortigen Ende deines Vorstellungsgesprächs führen. Im Anschreiben darf man dagegen aber ruhig etwas übertreiben. Schließlich willst du der Personalabteilung ja klarmachen, dass du keine Fehlbesetzung für die Stelle wärst und die passenden Fähigkeiten vorweisen kannst. Bist du einen Schritt weitergekommen und sitzt deinem Ansprechpartner im Bewerbungsgespräch gegenüber, ist aber selbstbewusste Bescheidenheit angesagt. Sinnvoller als ein „Ich habe dort den Laden alleine geschmissen“ ist vielleicht „Ich habe mich sehr stark engagiert, aber ohne mein Team hätte es nicht funktioniert“. Diese Kategorie ist also perfekt dafür geeignet, deine Soft Skills und deine Lust auf persönliche Weiterentwicklung hervorzuheben. Auch wenn du schon alles im Berufsleben erreicht hast, hast du noch Weiterentwicklungspotenzial. Also lieber nicht auf dicke Hose machen und die Angebermoves stecken lassen!

Unternehmerisches Denken

An dieser Stelle möchten wir eine Behauptung aufstellen: Jedes Unternehmen wäre gerne das beste – zumindest in der eigenen Branche. Und wie kann man dieses ambitionierte Ziel wohl erreichen? Natürlich mit tollen Mitarbeitern. Im Auswahlprozess für einen Job hast du unter anderem dann gute Chancen, wenn dein zuständiger Personaler das unternehmerische Denken in dir erkennt. Schneller, besser, weiter – für diesen Slogan solltest du in der Hoffnung des HR-Mitarbeiters stehen. Erwähne in der Bewerbung also ruhig schon, was du im Unternehmen für verbesserungswürdig hältst. Dazu gehört, dass du deine eigenen Kompetenzen direkt passend ausspielst. Die externe Kommunikation lässt in deinem Traumunternehmen noch zu wünschen übrig? Du hast erst kürzlich einen Rhetorik-Workshop absolviert und hast die nötige Ahnung? Was überlegst du noch? Sei mutig und steh schon in der Bewerbung dazu!

Motivation

Wenn du etwas verändern willst, dann tust du es auch. Zu Motivation gehört nämlich auch Entschlossenheit. Entschlossenheit, auch mal etwas für andere zu tun. Im Anschreiben und im Bewerbungsgespräch solltest du deshalb deutlich machen, nach welchen Zielen du eigentlich strebst. Zu den wahren High Potential gehörst du, sofern du ehrgeizig bist, etwas in der Firma zu verändern. Außerdem möchtest du nach einer gewissen Zeit andere Mitarbeiter mit deiner Kompetenz führen und bist bereit für komplexe Aufgaben im (Team-)Management.

Siehst du dich selbst in Zukunft als Führungskraft oder würdest du dein Berufsleben am liebsten möglichst ruhig ohne großartige Herausforderungen verbringen? Sei ehrlich – zu dir selbst und zum Unternehmen. Deine Jobsuche könnte das zwar verlängern, dafür bist du danach mit deiner Tätigkeit zufriedener.

Kognitive Fähigkeiten

Es hilft alles nichts – intelligent sein solltest du trotz aller anderer Eigenschaften. Größere Unternehmen mit eigener Personalabteilung testen dich deshalb immer häufiger schon im Laufe des Auswahlprozesses auf Herz und Nieren. Das Gute für dich: Du kannst dich auf Intelligenztests vorbereiten. Das Schlechte für HR: Du kannst dich auf Intelligenztests vorbereiten. Die Kombination aus beiden Faktoren führt zu den sogenannten Cases. Vor oder im Bewerbungsgespräch erhältst du einen Case – also einen Fall -, den du lösen sollst. Vorstellen kannst du dir darunter eine Textaufgabe, die du mit deinem vorhandenen Skillset bewältigst. Es gibt bei den Cases keine vorgefertigte Optimallösung, aber HR kann dein logisches Denken und dein berufsbezogenes Wissen testen.

Unter die kognitiven Fähigkeiten fällt übrigens auch dein individuelles Leistungspotenzial und deine allgemeine Performance in fachspezifischen Fragestellungen.

 

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