Mars One

„Beam me up, Scotty!“ – Warum Robert P. Schröder seine Zukunft auf dem Mars sieht

Robert P. Schröder ist einer der letzten deutschen Kandidaten für das Projekt „Mars One“. Die niederländische Unternehmung will die erste Siedlung auf dem Mars aufbauen und vergibt dafür 24 Plätze ohne Rückflugticket. Warum man sich am Mars nicht verlieben sollte und was man dort eigentlich so arbeiten kann, liest du in unserem Interview mit dem 30-jährigen Darmstädter.

kununu: Warum genau der Mars? Hat dieser Planet eine besondere Faszination auf dich?

Robert P. Schröder: Ja, der Planet Mars hat schon faszinierende Anziehung für mich. Ich war als Jugendlicher mit den Pfadfindern draußen. Wir waren auf einem Hang und der Nachthimmel war sehr klar. Da habe ich vor 15 Jahren einen orangenen Punkt gesehen. Den Mars. Ich habe als Kind aber nie gesagt, dass ich unbedingt auf den Mars und dort eine Siedlung aufbauen möchte. Mich hat es jedoch schon immer sehr fasziniert, ins All zu fliegen. Fremde Planeten erkunden, erforschen, erleben. Der Wunsch war kaum erfüllbar, weil die Anforderungen ziemlich hoch waren. Mehrfache Doktortitel, jahrelange Erfahrung mit Kampfpilotentraining. Das hat sich mehr und mehr geöffnet und ich hatte erstmal das Interesse verloren gehabt. Das Interesse kam schlagartig zurück als ich im Fernsehen eine Unternehmung gesehen habe, die Menschen zum Mars schicken möchte. Mit dem Nachsatz, dass sich jeder ab 18 Jahren dort bewerben kann. Das war Mars One. Ich habe immer mehr Gefallen daran gefunden und mich dieser Community angeschlossen. Ich dachte mir, wenn ich mich da nicht bewerbe, ärgere ich mich. Also habe ich mich beworben und bin einer der letzten Deutschen in der Auswahl.

Wie läuft die Auswahl für Mars One genau ab?

Die Auswahl hat mehrere Stufen. Angefangen hat es mit einer Online-Bewerbung. Da musste man unter anderem den Lebenslauf und ein Video hinterlegen, sowie diverse Fragen beantworten. Mit mir haben das rund 4.000 Bewerber getan. Ende 2013 kam es zur ersten Auswahl unter diesen Kandidaten und es wurde auf 1.000 Personen reduziert. Die zweite Runde bestand aus einem Medizincheck. Das waren keine unbekannten Dinge, es diente aber der genaueren Prüfung. Danach blieben noch 660 Kandidaten übrig. Die zweite Phase in der zweiten Runde war dann ein Interview mit dem Dr. Norbert Kraft, das ist der Chief Medical Officer, der die Obhut über die Selektion über die Kandidaten hat. Von den 660 Kandidaten hat man 100 weiter berücksichtigt. Vor dem Interview waren es ca. 400 Männer und 200 Frauen. Jetzt sind es genau 50 Frauen und 50 Männer.

Das war vermutlich Absicht?

Genau, das ist Absicht. Später, wenn sich die Crews bilden, sind es immer zwei Frauen und zwei Männer.

Demnächst wird es mit der Auswahl weitergehen. Das sind Teams von 10er-Gruppen mit gewissen Slots. Die Kandidaten können sich selbst in die Slots einteilen und ihr Team so zum Teil selbst zusammenstellen. Ein Slot hat drei Kriterien: das Alter, die Herkunft und das Geschlecht. Mars One möchte damit die Diversität hochhalten. Mit diesen Gruppen gibt es Wettkämpfe, die nur die gesamte Gruppe an sich bestehen kann. Die Teamfähigkeit soll getestet werden. Die Gruppe mit der schnellsten Zeit bleibt als solche in ihrer Zusammenstellung bestehen. Auf die Challenge selbst folgen Feedback-Gespräche und man darf eine Aufstellung machen, mit welchen drei Kandidaten man am liebsten zum Mars fliegen möchte. Daraus werden Analysen erstellt.

Vorher ging es eher darum, dass man körperlich geeignet ist. Jetzt soll auf Teamfähigkeit geachtet werden. Das ist so die erste Härteprüfung für die Kandidaten, weil man unter Beobachtung steht und zusammen an einem Ort ist. Man agiert im Team. Nach diesen Gruppenwettkämpfen bleiben 40 Kandidaten über. In einer vierten Runde wird es Isolation geben. Da werden dann vermutlich Kleingruppen isoliert. Nach der Isolation bleiben 30 Kandidaten über, die jeweils ein vierstündiges Interviewgespräch vor einem Komitee durchlaufen. Hier fliegen nochmal sechs Bewerber aus dem Prozess raus. Die 24 Kandidaten bekommen ein Angebot und können bei der Mars One die Ausbildung anfangen.

Gibt es da irgendwelche Konkurrenzgedanken?

Konkurrenzgedanken sind fehl am Platz. Die Kollegen können letztendlich auch auf dem Mars landen und man kann ihnen dort nicht aus dem Weg gehen. Zunächst werden zwar nur Crews von vier Personen hochgeschickt, später aber in einem Rhythmus von zwei Jahren immer mehr. Gegenseitiges Ausstechen ist also nicht wirklich empfehlenswert. Die Toleranz bei den Kandidaten ist höher als in einer anderen Konkurrenzsituation. Das macht das Ganze auch ziemlich locker und entspannt und ziemlich angenehm. Wir verstehen uns alle ziemlich gut.

Würdest du auch als Teil der ersten Gruppe auf den Mars fliegen wollen?

Ich hätte nichts dagegen. Ich möchte, dass wir da oben etwas erreichen und eine Siedlung aufbauen können. Ich würde also auf jeden Fall als Erster hochgehen, aber natürlich genauso als Zweiter oder Dritter. In der zehnjährigen Ausbildungszeit lernt man ausreichend, wie die Technologie funktioniert. Diese wird in einer späteren Phase unter den härtesten Bedingungen der Erde getestet. Und dann hat man Vertrauen in die Technik. Man hat ja Hands-on-Training und das ist halt der Vor- und Nachteil bei dem Ganzen.

Was passiert, wenn ein Kandidat doch nicht mehr auf den Mars fliegen möchte?

Ein angehender Mars-One-Astronaut kann jederzeit sagen, dass er nicht mehr dabei sein möchte. Der Nachteil ist, dass dann seine ganze Vierergruppe ausscheiden muss. Es kann aber auch noch in der Ausbildungsphase passieren, dass Mars One einen Kandidaten nicht mehr berücksichtigen will. Das wäre zum Beispiel so, wenn die Person körperlich nicht mehr fit ist. Dann würde wiederum das ganze Team ausscheiden.

Mal angenommen, dass du ausgewählt wirst: Wie sieht dann der Ablauf der Marsmission aus?

Zuerst wird die Technik auf den Mars geschickt und deren Funktion getestet. Danach wird erst die bemannte Crew hochgeschickt. Der Flug selbst dauert zwischen sechs und acht Monaten. Außerdem wird die Kommunikation mit einem Satelliten aufgebaut und ganze Frachtmodule angeflogen. Mit Rovern werden diese dann auf dem Mars in einer Linie zusammengestellt. Sie werden miteinander verbunden, damit die Energie via Solarkollektoren angeschlossen werden kann. Wenn die Systeme laufen, wird eine künstliche Atmosphäre geschaffen. Die Aufgabe der Crew ist es, die Siedlung fertigzustellen und aufrechtzuerhalten. Wir würden ein Gewächshaus aufbauen, um die Versorgung zu gewährleisten. Nach einiger Zeit landet das Equipment für die nächste Crew. Die Ausstattung der Teams und liefert übrigens nicht Mars One selbst, sondern sie nutzen Technologien von bestehenden Firmen. Auch die Rakete bauen sie nicht selbst.

Wie wird die Arbeit auf dem Mars aussehen?

Arbeit auf den Mars wird schon sehr geprägt davon, alles am Laufen zu halten und zu schauen, dass alles funktioniert. Erst, wenn sich alles so etabliert hat, man ist ja dann auch dort oben und testet, was bereits hier auf der Erde ist. Man hat eine andere Anziehungskraft, das Verhalten, wie man läuft, ist anders. Da gibt es sicher Dinge, wo man noch Anpassungen vornehmen kann und muss. Da gibt man dann auch Feedback für die nächsten Module, die gebaut werden. Letztlich, wenn alles so steht, dann wird die Erkundung des Mars passieren. Das ist es, was mich interessiert. Ich wäre gerne Bastler und Forscher und würde gerne selbst Sachen entwickeln.

Was passiert eigentlich, wenn sich Kandidaten verlieben und Kinder bekommen möchten?

Das ist in der ersten Zeit definitiv nicht erlaubt. Verlieben meine ich jetzt nicht, aber Kinder kriegen. In den ersten fünf Jahren sollte man auf jeden Fall keine Kinder auf dem Mars bekommen. Das ist eine sehr unbekannte Zeit für die Menschen. Man muss sich erstmal anpassen und ist aufeinander angewiesen. Wenn einer von der eigenen Crew krank wird, dann ist das eine enorme Belastung. Wenn man sich jetzt noch dazu ein Kind vorstellt, das lenkt schon sehr stark ab mit der Pflege. Das wird ja nicht hochgeschickt. Man hat kein Krankenhaus. Man müsste traditionell entbinden. Da hat man so nicht die Möglichkeit wie hier. Das wäre erst möglich, wenn man alles soweit im Griff hat und nach und nach Routine einkehrt. Dann kann man sich auch um Kindererziehung und die Ausbildung kümmern. Man macht ja alles selbst. Das ist dann so, dass die nachfolgenden Teams auch in Richtung Pädagogik ausgebildet werden. Am Anfang liegt der Fokus aber auf Technik. Dann ist die Ausbildungszeit auch kürzer. Vereinzelt werden dann welche noch ausgebildet, aber nicht mehr das ganze Team.

Die Standardfrage: Was sagen Familie und Freunde zur Mission? Könntest du gegebenenfalls mit ihnen im Kontakt bleiben?

Abgeschnitten ist es dort oben nicht. Kommunikation ist durchaus möglich. Wenn der Mars so nah ist wie aktuell, dann braucht eine Nachricht zwei bis drei Minuten zum Mars und dieselbe Zeit wieder zurück auf die Erde. Ist der Mars aber weiter entfernt, so kann das bis zu 21 Minuten dauern.

Meine Familie ist eigentlich durchweg der Meinung, dass ich hierbleiben soll. Die möchten mich physisch besuchen können, gemeinsam essen, gemeinsam reden. Das spaltet etwas. Wir verstehen uns trotzdem, aber bei dem Thema gibt es Streitigkeiten. Vereinzelt habe ich Freunde, die mich unterstützen und sagen hey, zieh das durch.  Aber auch andere, die möchten, dass ich hierbleibe.

Gäbe es auch noch einen Grund, der dich zum Hierbleiben bewegen könnte, wenn du ausgewählt wirst?

Eigentlich nicht. Ich bin schon seit 2013 in der Auswahl. Wenn ich da jetzt einen Grund sehen würde, dann wäre ich schon ausgestiegen. Es gibt auch Beziehungen, die deshalb in die Brüche gegangen sind.


Robert P. SchröderRobert P. Schröder ist 30 Jahre alt und wohnt in Darmstadt. Er ist einer der letzten deutschen Kandidaten in der Auswahl für die Mission Mars One und möchte im Jahr 2031 auf den Mars geschickt werden – ohne Rückflugticket. Dort will er zunächst gemeinsam mit drei anderen Crewmitgliedern den Grundstein für den Aufbau einer neuen Siedlung legen.

 

 

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