Arbeiten im Ausland

Auf zu neuen Ufern: Arbeiten im Ausland

Vielleicht stehst du heute vor dem Punkt, an dem du mit deinem Job nicht mehr glücklich bist. Nicht, weil dir deine Tätigkeit insgesamt keinen Spaß macht, sondern weil du darin keine besondere Herausforderung mehr siehst. Hast du dir dann schon überlegt, ob Arbeiten im Ausland für dich eine Option ist und der tägliche Alltag damit wieder spannend werden könnte? Neben allen wichtigen Informationen rund um das Thema Arbeiten im Ausland, bekommst du von Malte Zeeck, Co-Gründer und CEO vom Expat-Netzwerk InterNations, Antworten auf brennende Fragen.

Gründe, im Ausland zu arbeiten

Die bereits erwähnte Herausforderung ist nicht der einzige Grund für das Arbeiten im Ausland. Manchmal wirst du sogar von deinem Arbeitgeber dazu gezwungen, für eine bestimmte Zeit ins Ausland zu gehen. Das passiert beispielsweise dann, wenn andere Niederlassungen deine Expertise vor Ort brauchen oder dort Kollegen für eine deiner Stelle ähnlichen Position trainiert werden müssen. In manchen Ausbildungsprogrammen ist ein Auslandsaufenthalt sogar verpflichtend, weil er deinen beruflichen und persönlichen Horizont erweitern soll. Aber auch, wenn deine Ausbildung längst beendet ist, kannst du deine Sprachkenntnisse vertiefen, neue Kontakte knüpfen und noch ein Stückchen unabhängiger werden. Unglaublich wichtige Soft Skills wie unter anderem Anpassungs- und Kommunikationsfähigkeit, sowie Selbstständigkeit sind dir im Ausland schon fast garantiert.

Malte Zeeck, Co-Gründer und CEO von InterNations, hat auf die Fragen, die du dir vor deinem Umzug ins Ausland stellen wirst, die passenden Antworten parat.

kununu: Wann ist der richtige Zeitpunkt, um für einen Job ins Ausland zu gehen?

Malte Zeeck: Eigentlich immer, solange man für die Sache brennt! Im Zweifelsfall es ist natürlich einfacher, einen Auslandsaufenthalt möglichst früh in die Karriereplanung einzubauen oder dabei zumindest zu berücksichtigen. Beim Berufseinstieg ist man in der persönlichen Lebensführung oftmals noch viel ungebundener, und es ist auch karrieretechnisch leichter, einen beruflichen Spurwechsel zu vollziehen oder gleich mehrmals hintereinander den Arbeitgeber, die Branche und das Land zu wechseln.

kununu: Ist Auslandserfahrung unerlässlich, wenn man die Karriereleiter erklimmen möchte?

Malte Zeeck: Für Arbeitnehmer, die eine Führungsposition mit internationalen Mitarbeitern in einem international agierenden Unternehmen anstreben, ist ein Auslandsaufenthalt sicher ein gewaltiger Bonus. Ähnliches gilt für Fachkräfte, deren Arbeit automatisch Berührungspunkte mit internationalen Themen oder Personenkreisen bietet, zum Beispiel im Vertrieb. Auch bei InterNations stellt Auslandserfahrung ein wichtiges Einstellungskriterium dar: Da Expats unsere Hauptzielgruppe sind, sollen unsere Mitarbeiter deren Lebensumstände und Bedürfnisse am besten aus eigener Anschauung kennen.

Das Wichtigste ist aber, dass der Auslandaufenthalt und die jeweilige Tätigkeit gut zur eigenen „Marke“ passen. Eine Fachkraft, die über Kenntnisse in einem Mangelberuf verfügt oder sich auf die Tätigkeit in regionalen KMUs spezialisiert hat, wird auch ohne den Auslandsaufenthalt sehr erfolgreich sein, einfach weil der Lebenslauf ein stimmiges Gesamtbild bietet.

kununu: Welche Dinge müssen Personen, die im Ausland arbeiten wollen, unbedingt beachten?

Malte Zeeck: Als Erstes sollte man sich im Klaren sein, warum man eine Karriere im Ausland anstrebt: Möchte man seine Sprachkenntnisse auffrischen? Vorübergehend in einem bestimmten Land leben? Kann man dort von einer florierenden Wirtschaft profitieren? Oder eine Branche besser kennenlernen? – Egal, was letztendlich der ausschlaggebende Grund ist, es sollte immer eine Entscheidung für etwas Neues sein, keine bloße Abstimmung mit den Füßen. Reine Langeweile im Joballtag, die „Flucht nach vorne“ nach dem Ende einer langjährigen Beziehung und ähnliche Gründe, die nur gegen den gewohnten Trott sprechen, führen schnell zur erneuten Ernüchterung. 

Dann sollte man sich bewusst machen, ob man die richtige Person für einen längeren beruflichen Auslandsaufenthalt ist. Das etwas sperrige Zauberwort heißt „Ambiguitätstoleranz“. Bin ich jemand, der in der Lage ist, mehrdeutige oder widersprüchliche Informationen – zum Beispiel bedingt durch kulturelle Unterschiede – anzunehmen und auf diese neutral zu reagieren? Das macht es wesentlich leichter, mit dem emotionalen Stress umzugehen, den ein Auslandsaufenthalt zumeist mit sich bringt.

In praktischer Hinsicht sollte man sich immer gut über Rechtslage und Aufenthaltsstatus informieren – vor allem im Nicht-EU-Ausland. Sollte man die Probezeit nicht bestehen, die Stelle aus anderen Gründen verlieren oder feststellen, dass der vermeintliche Traumjob doch keiner ist, ist es gut, wenn man weiß, wie lange die Kündigungsfrist dauert, ob man eine neue Arbeit annehmen darf, ohne ein neues Visum beantragen zu müssen, und wie viel Zeit für die Jobsuche bleibt. 

Zu guter Letzt empfiehlt sich eine kleine finanzielle Reserve und ein „Plan B“ für Notfälle. Das klingt jetzt alles einwenig nach Schwarzmalerei, aber mit diesen Rahmenbedingungen hat man immer den Kopf frei, um sich ganz auf die neue Karriere zu konzentrieren und das Leben im Ausland zu genießen!

 

Und noch ein Tipp von kununu: Vor der Bewerbung für einen Job im Ausland solltest du überprüfen, ob dein Abschluss oder deine Ausbildung dort überhaupt anerkannt wird. Sonst hagelt es vielleicht Absagen über Absagen und du weißt gar nicht, woran es liegt.

In welchen Branchen kann man im Ausland arbeiten?

Gerade, wenn du dich auf gut Glück für einen Job im Ausland bewerben möchtest und nicht von deinem bisherigen Arbeitgeber dorthin entsandt wirst, machst du dir vielleicht Gedanken um die für dich passende Branche. Die Beantwortung der Frage ist dabei aber ganz easy – du kannst quasi in allen Branchen im Ausland arbeiten. In manchen Branchen ist es leichter, in manchen dafür etwas schwieriger. Im Bereich Tourismus / Hotel / Gastronomie kommt es sehr häufig vor, dass man für kurze oder längere Zeit im Ausland arbeitet. Gerade unter den Hoteliers, Saisonarbeitern oder Spitzenköchen findet man fast überall Menschen mit beruflicher Auslandserfahrung. Auch die Branche EDV / IT ist für das Sammeln von Auslandserfahrung sehr empfehlenswert. Das liegt vor allem an der gleichen Sprache. Nein, nicht die Programmiersprache! Die meisten IT-Stellen setzen voraus, dass du dich auf Englisch verhandlungssicher verständigen kannst. Auch im Inland hast du häufig Kollegen aus den verschiedensten Ländern und musst dich mit ihnen unterhalten können.

Unabhängig von deiner (ausgewählten) Branche ist wichtig, dass du eine Arbeitserlaubnis für das Land vorweisen kannst. Innerhalb der Europäischen Union kannst du als EU-Bürger überall arbeiten und brauchst keine Arbeitserlaubnis beantragen.

Welche Unternehmen unterstützen Auslandsaufenthalte?

Immer mehr Unternehmen bieten ihren Arbeitnehmern die Möglichkeit, für eine befristete oder unbefristete Zeit für sie ins Ausland zu gehen. Gleichzeitig werden ausländische Unternehmen offener und stellen – je nach Aufgabenbereich sogar bevorzugt – Expats ein. Wir stellen dir einige davon kurz vor:

Accenture

Die Unternehmensberatung ist in 120 Ländern auf der ganzen Welt tätig. Dass du deinen Standort innerhalb des Unternehmens wechseln kannst, ist hier ganz leicht. Die kununu User vergeben für die deutschen Niederlassungen einen Durchschnittsscore von 3,73.

Teleperformance Portugal

Teleperformance Portugal zählt zu den führenden Unternehmen im Bereich Outsourcing und Kundenbeziehungsmanagement. Der Arbeitgeber punktet neben einem kununu Score von 3,34 sogar mit einer Flugkostenrückerstattung und kostenfreien Sprachkursen und gemeinsamen Aktivitäten in Portugal. Nichts wie los!

Raiffeisen Bank International

Weltweit hat die Raiffeisen Bank International rund 50.000 Mitarbeiter in 2.400 Geschäftsstellen. Ein Teil dieser Mitarbeiter hat der Bank einen kununu Score von 3,94 verschafft. Ob da wohl der passende Job für dich dabei sein könnte?

Credit Suisse

Eine weitere Bank mit der Möglichkeit zu Arbeiten im Ausland ist die Credit Suisse. Der Hauptsitz liegt zwar in Zürich, eingesetzt könntest du aber auf Wunsch in rund 50 Ländern weltweit. Der kununu Score des Unternehmens liegt bei 2,93.

Eurotours International

Eurotours International ist ein Direkt-Reiseveranstalter mit Sitz im Tiroler Kitzbühel. Dadurch, dass die 350 Mitarbeiter an der Reisequelle arbeiten, sind sie immer wieder für den Job im Ausland. Die Aufenthaltsdauer ist dabei sehr flexibel gestaltbar. Übrigens: Der kununu Score liegt bei 3,74.

Diese Unternehmen sind natürlich nur eine kleine Auswahl aus jenen, die Arbeiten im Ausland fördern. Falls für dich bis jetzt kein passender Arbeitgeber dabei war, solltest du jetzt aber nicht mit dem Weiterlesen aufhören. Wir haben noch einige Informationen für dich! Zieht es dich zum Beispiel wie die Filmfigur Shrek in das Königreich Weitweitweg? kununu kann dich unterstützen und bietet dir Insights zu Unternehmen in den USA. Nice, denkst du dir? Klick hier weiter, um US-amerikanische Unternehmen abzuchecken. Achtung, die kununu Bewertungen sind natürlich auf Englisch. Das sollte für dich als Globetrotter aber sicherlich kein Problem darstellen.

Wenn es lieber nicht so weit weg gehen soll und du dich bei Unternehmen in deinen Nachbarländern umsehen möchtest, findest du diese hier für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Wie muss ich im Ausland mein Gehalt versteuern?

Das kommt ganz darauf an. Solltest du für weniger als sechs Monate ins Ausland gehen oder von deinem Arbeitgeber nur auf befristete Zeit ins Ausland geschickt werden, dann macht es Sinn, dass du deinen deutschen Wohnsitz beibehältst. Warum? Weil du die Steuern laut Gesetz dann sowieso weiter in Deutschland bezahlen musst. Die Versteuerung in Deutschland wäre auch nötig, wenn deine Familie – also zum Beispiel dein Ehepartner oder deine Kinder – in Deutschland bleibt. Solltest du deinen Haushalt mehr als nur sechs Monate ins Ausland verlegen, um dort zu arbeiten, sind sowohl das inländische als auch das ausländische Einkommen im anderen Land zu versteuern. Klingt vielleicht auf den ersten Blick kompliziert, aber dein Unternehmen kann dir bei Rückfragen mit Sicherheit weiterhelfen. Ansonsten sind beispielsweise in Deutschland die Bundesagentur für Arbeit, in Österreich das Arbeitsmarktservice oder in der Schweiz das Arbeitsamt und Arbeitsvermittlung (RAV) die richtigen Ansprechpartner.

Was passiert, wenn ich im Ausland krank werde?

Wir hoffen natürlich, dass du dich im Ausland dauerhaft bester Gesundheit erfreust. Trotzdem solltest du dir Gedanken darüber machen, welche Leistungen deine Krankenversicherung abdeckt oder ob du eine Auslandskrankenversicherung abschließen musst. Eigentlich wirst du immer in dem Land krankenversichert, in dem du gerade arbeitest. Das regelt ganz bequem dein Arbeitgeber für dich. Eine Ausnahme gibt es, wenn du von deinem Unternehmen nur für befristete Zeit ins Ausland geschickt wirst. Deine inländische Krankenversicherung ist dann auch weiterhin für dich zuständig. Informiere dich bei der Krankenversicherung, welche Leistungen sie im Ausland für dich übernimmt und lass dich – gerade, wenn du nicht in das EU-Ausland gehst – beraten, ob du eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung haben solltest.

Vielleicht für immer?

Ob du für immer im Ausland arbeiten möchtest, ist von einigen Faktoren abhängig. Erst einmal brauchst du eine für dich passende und unbefristete Stelle in einem Unternehmen. Diese hast du natürlich bereits, wenn du dich extra für einen Job im Ausland beworben hast. Sollte dich ein inländisches Unternehmen für ein bestimmtes Projekt ins Ausland geschickt haben, lohnt sich hier eine genauere Nachfrage. Kannst du vielleicht argumentieren, warum die Kollegen im Ausland auch weiterhin auf deine Unterstützung vor Ort zählen können müssen? Warum reichen Videotelefonie und regelmäßige Besuche nicht aus? Ein weiterer Faktor für einen längerfristigen Aufenthalt im Ausland ist deine Familie. Mach dir bewusst, dass dein Lebenspartner gegebenenfalls für dich den Standort wechseln muss. Amor hat bei dir noch nicht zugeschlagen? Trotzdem könnte es anstrengend und nervenaufreibend sein, wenn du deine Familienangehörigen nur verbunden mit einer langen Anreise sehen kannst. Wir haben bei Malte Zeeck nachgefragt und noch ein paar abschließende Antworten erhalten.

kununu: Wie findet man im Ausland am besten Anschluss?

Malte Zeeck: Jede (angemessene) Gelegenheit zur Kontaktpflege nützen und beim Aufbau eines neuen Bekanntenkreises aufeine gute Mischung aus anderen „Expats“ und einheimischen Freunden achten. Wer ebenfalls den Schritt ins Ausland gewagt habt, kennt die Probleme, die das oft nach sich zieht und kann praktische Tipps geben oder einfach geduldig zuhören, wenn man gerade mit dem Kulturschock hadert. Darum bieten wir bei InterNations neben den digitalen Vernetzungsmöglichkeiten unseren Mitgliedern auch die Gelegenheit zum persönlichen Austausch: Im Rahmen von rund 6.000 monatlichen Veranstaltungen und Freizeitaktivitäten auf der ganzen Welt können sie andere Expats und weltoffene Locals kennenlernen.

Langfristig gesehen sollte man die „Expat-Blase“ natürlich regelmäßig verlassen: Nur so kann man wertvolle Geschäftskontakte vor Ort knüpfen, eine andere Kultur wirklich kennenlernen und seine Sprachkenntnisse anwenden. Auch wenn es zum Teil lange dauern kann, bis man mit Einheimischen Freundschaft schließt, sollte man auf keinen Fall die Geduld verlieren.

kununu: Arbeiten im Ausland – geht das auch noch, wenn man schon Familie hat?

Malte Zeeck: Das geht auf jeden Fall, aber kann natürlich eine Belastung für die Beziehung/Familie sein. Kürzere Auslandsaufenthalte – zum Beispiel für projektbezogene Arbeit – lassen sich gut vereinbaren, aber eine langjährige internationale Fernbeziehung kann sehr stressig sein. Will man diese Belastung vermeiden, stellt sich die Frage, ob die Familie mit ins Ausland ziehen kann und will. Kinder machen das Abenteuer Ausland natürlich komplizierter, sobald es um solche Fragen wie Betreuungsmöglichkeiten, Gesundheitsversorgung oder Bildungssysteme geht. 

Unser Geschäftsbereich InterNations Business Solutions hat eine Studie zur Situation von entsandten Mitarbeitern, internationalen Fachkräften und deren Lebenspartnern in neun ausgewählten Ländern, sowie einen Global Report dazu veröffentlicht.Daraus geht hervor, dass sich 45 Prozent aller Mitarbeiter bei einer Auslandsentsendung von Arbeitgeberseite besondere Unterstützung für ihre Partner erhofft hätten, dieses Angebot aber nicht bekamen. Während von den Partnern, die mit ins Ausland zogen, immerhin gut die Hälfte vom Unternehmen praktische oder finanzielle Hilfe beim Umzug bekamen, fehlen ihnen am neuen Wohnort oft Möglichkeiten zum beruflichen Networking oder zur sozialen Kontaktpflege. Bis zu zwei Drittel hätten sich zwar ein derartiges Angebot gewünscht, haben aber leider nicht davon profitiert.

kununu: Lieber nur vorübergehend oder gleich für immer – Welche Vor- und Nachteile hat es, wenn man entweder für begrenzte oder für unbegrenzte Zeit für die Arbeit ins Ausland geht?

Malte Zeeck: Meiner Erfahrung nach brechen die wenigsten Leute wegen eines Karriereschritts komplett die Zelte ab und gehen für immer ins Ausland. In solchen Fällen sind oft persönliche Gründe im Spiel – zum Beispiel die Entscheidung, sich in der Heimat des Partners niederzulassen. Viele Arbeitnehmer, die nun auf unbestimmte Zeit im Ausland leben oder die Rückkehr bereits ausgeschlossen haben, haben diese Entscheidung allmählich getroffen, als sich ihr Lebensmittelpunkt immer stärker in die neue Heimat verlagert hat.

Persönlich würde ich zu einer privaten „Probezeit“ raten, um zu testen, ob die Realität den Wunschvorstellungen entspricht – oder sie im Idealfall sogar übertrifft. Mit Auslandserfahrung, entsprechenden Leistungen und neuen beruflichen Kontakten ist es definitiv einfacher (und auch angenehmer), einen befristeten Aufenthalt zu verlängern, als beim Scheitern der Auswanderungspläne desillusioniert zurückzukehren.

 

Die Gründe für einen beruflichen Arbeitsaufenthalt passen und der Zeitpunkt ist nahezu perfekt? Na dann nichts wie los! Du musst dich nur noch für ein Land entscheiden!

 

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