Lidl vs Aldi

Aldi vs. Lidl: Welcher Discounter spart an der Mitarbeiterzufriedenheit?

Erst im Juli holte der Discounter Lidl zum Werbe-Rundumschlag gegen die Konkurrenz aus. Bei hochmütigen Sprüchen wie „Lidl lohnt sich. ALDI anderen sind teuer“ wollten auch wir genauer hinsehen. Zwar führen wir – leider – keine Geschmacksuntersuchungen durch, checken dafür aber die Mitarbeiterzufriedenheit bei Lidl ab. Weil es für das kununu Arbeitgeberduell aber immer zwei Teilnehmer braucht, steigt natürlich ganz klassisch der Lieblingskonkurrent Aldi mit in den Ring. Hier erfährst du, welcher Discounter sich den besseren Arbeitgeber nennen darf und wer beim Duell das Knock-Out in der ersten Runde vermelden musste.

Lidl lohnt sich – auch für die Mitarbeiter?

Die Schwarz-Gruppe ist der größte Handelskonzern in ganz Europa. Hä, wir sprechen doch über Lidl und nicht über die Schwarz-Gruppe, oder? Vollkommen richtig, aber Lidl ist eigentlich ein Tochterunternehmen der Schwarz-Gruppe. Das ist aber nicht jedem bewusst. Nach der Gründung von Lidl durch Josef Schwarz 1930 ist das Unternehmen mittlerweile der größte Discounter-Konzern weltweit. Rund 79.000 Menschen arbeiten deutschlandweit für Lidl – nicht nur in Filialen, sondern auch in der Zentrale und in Logistikzentren. Und so viele Mitarbeiter haben natürlich die unterschiedlichsten Dinge über ihren Arbeitgeber zu sagen. Auf kununu erhält Lidl Deutschland einen Gesamtscore von 3,60 Sternen (Stand: 01.08.2019), was den Branchen-Durchschnitt ganz klar toppen kann. Dieser liegt nämlich nur bei 3,24 Sternen.

Die meisten Sterne (4,15) vergeben die Lidl-Mitarbeiter in der Bewertungskategorie Gehalt / Sozialleistungen. Kein Wunder, da Lidl 2010 unter den Discountern der Vorreiter in Sachen Mindestlohn war. Es wird gutes Gehalt gezahlt – und das sogar für ungelernte Kräfte. Da es immer zwei Seiten der Medaille gibt, hält eine Führungskraft dagegen: „Der Verdienst ist eher Schmerzensgeld“. Mit nur 3,15 Sternen sind die Lidl-Mitarbeiter mit ihrer Work-Life-Balance dagegen scheinbar eher allgemein unzufrieden. Angestellte berichten, dass sie in ihrer Freizeit spontan angerufen wurden, ob sie nicht doch arbeiten gehen könnten. Wenn man nach der mehrmaligen Arbeitsplanänderung an einem Tag nicht kommen kann, gilt man gleich als unflexibel. Aber immerhin kann man in solchen Situationen gemeinsam mit den netten Kollegen über die Situation schimpfen. Das Team hält nämlich sogar in Zeiten von Personalmangel eisern zusammen.

Lidl dürfte sich als Arbeitgeber zumindest auf den ersten Blick lohnen – auch, wenn der Lebensmittelkonzern natürlich nicht ganz ohne Kritik durch seine Mitarbeiter davonkommt. Aber kann Aldi die Konkurrenz in Sachen Mitarbeiterzufriedenheit vielleicht doch noch in die Tüte packen und ihr den Einkaufswagen in die Kniekehlen rammen?

Duelliert sich Aldi Nord auch mit Aldi Süd?

Gleich vorweg: Aldi ist nicht gleich Aldi. Die Abkürzung Aldi steht für Albrecht Diskont und damit für die beiden Gründer – Karl und Theo Albrecht. Halt, halt: Wirklich gegründet wurde Aldi 1913 noch vom Vater der beiden Brüder. Damals war der Discounter aber noch ein winziger Tante-Emma-Laden und entwickelte sich erst durch die Übernahme durch die Brüder im Jahr 1945 vom Familienunternehmen weiter. Einige Jahre später stellten Karl und Theo Albrecht fest, dass sie lieber nicht mehr so eng zusammenarbeiten möchten. Brüder eben! Jedenfalls existiert Aldi seit 1961 als die zwei voneinander unabhängigen Unternehmen Aldi Süd und Aldi Nord. Wir wollten das Arbeitgeberduell aber nicht auf einen Dreikampf ausbauen und stellen dir zwar Aldi Süd und Aldi Nord einzeln vor, lassen die Arbeitgeber aber gemeinsam gegen Lidl antreten. So ganz kann man Brüder ja nie trennen.

Aldi Süd erhält auf kununu einen Gesamtscore von 3,25 Sternen. Du erinnerst dich vielleicht an ein bisschen weiter oben – mit diesem Gesamtscore liegt Aldi Süd um genau 0,01 Sterne über dem Branchen-Durchschnitt. Auch die südlichen Aldianer sind mit ihrem Gehalt sehr zufrieden und vergeben in dieser Bewertungskategorie starke 4,08 Sterne. Ein Verwaltungsmitarbeiter hatte sogar schier ein schlechtes Gewissen, weil er für seine geringe Arbeitsleistung so toll bezahlt wurde. Das könnte ein Verkaufsmitarbeiter wohl nicht behaupten. Er sagt: „Für den Druck und den Freizeitverzicht könnte es mehr sein“. Ziemlich einig sind sich die Aldi-Süd-Mitarbeiter mit ihrer Sicht auf das Vorgesetztenverhalten im Unternehmen. Mit 3,08 Sternen kommt Kritik an den Chefs wie „Täuschung, Zuckerbrot und Peitsche“ oder „Geben sich nicht mit dem Fußvolk ab“.

Die über 64.000 Mitarbeiter von Aldi Nord würden trotz dieser Punkte wahrscheinlich jederzeit gerne in den Süden wechseln. Von echter Mitarbeiterzufriedenheit können sie bei ihrem Arbeitgeber nur träumen und vergeben auf kununu unterdurchschnittliche 3,03 Sterne. Ob das wohl an der Kommunikation im Unternehmen liegen könnte? Teils gibt es laut einem ehemaligen Werkstudenten schnippische Kommentare und laute Ansagen. Hinsichtlich der Kommunikation kämen die Führungskräfte sowieso sehr gespielt und gekünstelt herüber. Solide Bewertungen vergeben die Aldi-Nord-Mitarbeiter bei der Gleichberechtigung. Eigentlich werden zwischen Mann und Frau keine Unterschiede gemacht. Kann aber eine Frau einmal eine schwere Last nicht heben, unterstützen sie die männlichen Kollegen gerne. Die nördlichen Aldianer bemängeln jedoch, dass es noch viel zu wenige Frauen in Führungspositionen geschafft haben.

Bei welchem Discounter steht Mitarbeiterzufriedenheit wirklich im Regal?

Okay, okay, Hochmut kommt bei Lidl nicht vor dem Fall. Die Arroganz ist gerechtfertigt und ihr habt mit eurem kununu Score von 3,60 Sternen das Arbeitgeberduell haushoch gewonnen. Lidl lohnt sich auch als Arbeitgeber wirklich. Billig, billig, billig sind bei euch nur die Preise – eure Mitarbeiter verheizt ihr nicht wie eure Montags- und Donnerstagsangebote. Alles ist noch nicht perfekt, aber ihr seid auf dem besten Weg dorthin. Weder Aldi Süd (3,25 Sterne) noch Aldi Nord (3,03 Sterne) können bei dieser Mitarbeiterzufriedenheit mithalten und mussten sich enttäuscht geschlagen geben. Die Produkte von Aldi sind zwar auch wirklich günstig und euer Plundergebäck schmeckt zugegebenermaßen klasse, das System geht aber zu Lasten der Angestellten.

Da Lidl den kununu Gesamtscore kontinuierlich von 2,73 Sternen im Jahr 2010 auf zuletzt 3,60 steigern konnte, hat der Discounter auch zukünftig von der Konkurrenz kaum etwas zu befürchten. Sowohl Aldi Nord als auch Aldi Süd stagnierten auf kununu in den letzten Jahren nahezu und konnten demnach keine außergewöhnlich positiven Bewertungen abkassieren, um sich zu steigern. Aber was Aldi anderen können, könnt ihr doch sicher auch! Nehmt euch die Kritik zu Herzen, liebe Aldi-Chefs, und nehmt es beim nächsten Mal auf Augenhöhe mit der Konkurrenz auf.