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Amazon: Wirklich so ein schlechter Arbeitgeber?

Vor 25 Jahren von Jeff Bezos gegründet, ist der Versandriese Amazon seit Anfang des Jahres zum wertvollsten Unternehmen der Welt geworden. Und ganz ehrlich: Wahrscheinlich hat jeder schon einmal von Amazon gehört und sich eine Meinung über den Onlineversandhändler gebildet. Meistens geht es uns dabei aber um die Lieferzeiten oder die Paketzustellung. Hinter Amazon stehen aber auch seine über 600.000 Mitarbeiter weltweit. Diese geraten immer wieder in die Schlagzeilen, weil sie für bessere Arbeitsbedingungen streiken und ihren Arbeitgeber teilweise harsch kritisieren.

Uns interessierte, wie die Amazon-Mitarbeiter ihre Situation in den Arbeitgeberbewertungen auf kununu beschreiben. Du darfst uns glauben, die Einblicke in die Arbeitswelt bei Amazon waren ziemlich spannend.

Tausche schlechte Work-Life-Balance gegen…

Man erwartet bei einem Blick auf den kununu Gesamtscore von Amazon eher einen Schock fürs Leben. Aber Entwarnung – die Situation ist für die Mitarbeiter zumindest auf den ersten Blick weit weniger schlimm als man vielleicht denken könnte. Auf kununu erhält Amazon einen Gesamtscore von 3,27 (Stand: 01. Juli 2019). Das ist im Vergleich mit der gesamten Internet- bzw. Multimedia-Branche, die durchschnittlich 3,86 Sterne absahnte, zwar deutlich schlechter – im kununu Gesamtvergleich aber erstmal nicht dramatisch. Hier liegt der Durchschnitt bei 3,38 Sternen. Klingt also gar nicht so schlecht, oder? Woher kommen aber die unzufriedenen Amazon-Mitarbeiter, von denen wir immer wieder lesen? Die gibt es leider trotzdem und Streiks & Co. kommen vermutlich nicht von ungefähr. Gerade in den letzten beiden Jahren sackte Amazons kununu Score teilweise stark ab, sodass mittlerweile nur noch 58 Prozent der Mitarbeiter ihren Arbeitgeber weiterempfehlen würden. Für dich haben wir uns die zwei besten und die zwei schlechtesten Bewertungskategorien von Amazon näher angesehen.

Work-Life-Balance

Immer mehr Menschen bestellen online. Klar, dass für Amazon dadurch deutlich mehr Arbeit anfällt. Aber werden deshalb mehr Mitarbeiter angestellt? Scheinbar nicht. Die Kategorie Work-Life-Balance wird von den Amazon-Mitarbeitern auf kununu mit durchschnittlich 3,07 Sternen am schlechtesten bewertet. Es wird von Amazon erwartet, dass man immer erreichbar ist. Das könne laut der Aussage eines kununu Users nur ein Single ohne Privatleben. Aber auch als Single dürfte man wohl darunter leiden, dass man durch die hohe Arbeitsbelastung nach Feierabend keine Kraft mehr hat. Das Leben drehe sich laut diesem ehemaligen Mitarbeiter nur noch um Amazon. Ein Amazon-Mitarbeiter empfindet die Work-Life-Balance bei seinem Arbeitgeber sogar so schlimm, dass er seinen Kollegen einfach Blau-Machen ans Herz legt. Nur so könne man bei Amazon zu seiner Freizeit kommen. Ganz so krass möchte es ein Regensburger Amazon-Angestellter nicht formulieren. Er ist im Hinblick auf die Work-Life-Balance zwiegespalten und sagt, dass man bei den Arbeitszeiten eigentlich sehr viel Spielraum hat. Als Mitarbeiter in einer niedrigeren Position müsse man aber – sofern man gut verdienen möchte – unbedingt Überstunden machen.

Vorgesetztenverhalten

Statt von zahlenden Kunden wurde Amazon auch in der Bewertungskategorie Vorgesetztenverhalten durch ihre Mitarbeiter bewertet. Wenn wir einmal metaphorisch bleiben: Der Durchschnittsscore dieser Kategorie,  nämlich 3,19 Sterne, würden wahrscheinlich niemanden wirklich vom Kauf oder von einer Bewerbung bei Amazon überzeugen. Die miserablen Chefs stehen selbst unter Druck und werden dadurch zum Drill Instructor. Bei ihnen würden nur Mitarbeiter weiterkommen, die im Chat schleimen und zu allen Aufgaben gerne Ja sagen. Oder noch etwas härter formuliert: „Man muss sich von ahnungslosen Vorgesetzten was sagen lassen, wovon diese selbst keinen Schimmer haben“. Aber auch beim Thema Vorgesetztenverhalten sind sich nicht alle Amazon-Mitarbeiter einig. So lobt ein kununu User seine vorbildlichen und fairen Chefs. Er glaubt: Die Realität ist anders als in den Medien dargestellt. Wahrscheinlich kommt es einfach stark darauf an, an welche Chefs man gerät. Die einen sind wahnsinnig nett und die anderen als Leads oder Manager nicht geeignet oder haben selbst keinen Plan. Wie auch bei Amazon-Produktbewertungen musst du für dich persönlich entscheiden, ob du dich davon beeinflussen lässt.

Kollegenzusammenhalt

Wenn es bei einem Arbeitgeber an allen Ecken und Enden brennt, schweißt der gemeinsame Feind die Kollegen zusammen. Zumindest scheint das bei Amazon zu stimmen, denn die Mitarbeiter vergeben für die Bewertungskategorie Kollegenzusammenhalt auf kununu durchschnittlich 3,78 Sterne. Man könne bei Amazon unter den Kollegen echte Freunde finden. Muss man sogar. Ohne die engen Vertrauten wäre es schließlich nicht aushaltbar. Die Kollegen seien dabei super kommunikativ und hilfsbereit, wenn auch manchmal fordernd. Das schätzt ein Mitarbeiter sehr und sagt: „Ich habe noch nie so einen Zusammenhalt erlebt. Fühlt sich eher an wie eine zweite Familie als wie Arbeit“. Es gibt aber auch die zweite Seite der Medaille. Und hier kommt auch der Kollegenzusammenhalt nicht allzu gut weg. Die Eingefleischten mögen zusammenhalten, die Neuen kommen dabei aber nicht so gut weg. Ob auf Amazon auch frisches Obst verkauft wird? Scheinbar nicht, denn unter 25 Kollegen ist immer mindestens ein Fallobst. Amazon Fresh wurde in Bezug auf Kollegenzusammenhalt wohl noch nicht global eingeführt. Ein kununu User behauptet sogar, dass ein gutes Verhältnis unter Kollegen durch das Management unterbunden wird.

Gleichberechtigung

Nur kurz dahinter reiht sich der kununu Durchschnittsscore für die Bewertungskategorie Gleichberechtigung ein. Dieser liegt bei 3,71 Sternen. Amazon lebe laut einem Mitarbeiter die Vielfalt mit allen Aspekten und bringe sich außerdem sozial ein. Jeder von Hinz bis Kunz habe die gleichen Chancen, auch wenn Frauen manchmal etwas mehr gepusht werden. Für die gleiche Arbeit gibt es auch das gleiche Geld. Die Mühen von Amazon sind erkennbar. In manchen Bereichen hapert es aber bei der Gleichberechtigung immer noch. Beispielsweise würden Behinderte eher als Last empfunden. Mitarbeiter können nur mit Vitamin B aufsteigen und ihre „Nase muss dem eigenen Team Lead passen“. Wer schleime und krieche, würde nach der Meinung eines ehemaligen Produktionsmitarbeiters bei Beförderungen bevorzugt.

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