Affäre mit dem Chef? Ich doch nicht!

Deine Chefin ist so charmant, so kreativ und hat außerdem verdammt blaue Augen. Oder ist es dein Vorgesetzter mit dem verwegenen Drei-Tage-Bart und seinem Sinn für Humor? So oder so: Du hast „Fuck the company“ mal wörtlich genommen und bist mit deinem Chef im Bett gelandet. Doch was kommt nach der Affäre?

Eigentlich wolltest du Berufliches und Privates immer trennen. Eigentlich bist du ja professionell. Das dachtest du jedenfalls bis zu diesem verhängnisvollen Abend im Büro. Die anderen Kollegen hatten sich schon längst ins Wochenende verabschiedet, du und dein Vorgesetzter mussten aber noch dringend ein Projekt abschließen. Zuerst habt ihr über Privates gesprochen, dann haben sich eure Knie berührt und – that escalated quickly – zu guter Letzt habt ihr euch geküsst. Dass jetzt die Funken wie wild um euch sprühen, ist erstmal kein Problem. Ihr seid auch nicht die Ersten und mit Sicherheit nicht die Letzten, die eine Affäre oder Beziehung am Arbeitsplatz haben. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag von XING ergab, dass jeder siebte Arbeitnehmer (14 Prozent) schon einmal mit einem Kollegen liiert war. Wenn der Chef die Person von Interesse ist, muss man ein bisschen mehr beachten als beim Flirt mit dem Bürokumpel.

# Die offizielle Beziehung

..bringt nicht nur Drama mit sich, sondern kann wirklich schön sein. Angeblich könnte die Liebe sogar so beflügeln, sodass die Produktivität der beiden Beteiligten gesteigert wird.

Aus dem kurzen Techtelmechtel auf dem Sommerfest wurde mehr: Dein Chef hat dich nicht auf einmal geghostet, sondern ihr seid seit geraumer Zeit ein glückliches Paar. Am Anfang hatte es ja noch seinen gewissen Reiz, dass ihr eure Liebe in der Arbeit verstecken müsst. Mittlerweile nervt es dich aber doch ziemlich. Ihr könnt nicht gleichzeitig das Büro verlassen und der gemeinsame Urlaub kann nur mit ein paar Tagen Unterschied geplant werden. Eine Lösung muss her. Und die lautet? Die Kollegen sollen endlich Bescheid wissen.

Oft ahnen sie sowieso schon etwas, der Flurfunk ist schließlich überall. Wenn dein Chef selbst noch einen Vorgesetzten hat, sollte er diesem zuerst Bescheid geben. Dann kann er sich schon einmal darauf einstellen und bekommt die frohe Kunde nicht als Allerletzter ins Büro getragen. Jetzt solltet ihr einen Termin suchen, an dem zumindest der Großteil eurer Abteilung im Büro ist. Es muss kein großer Sektempfang sein, einfach auf den Schreibtisch setzen mit „Ey, die Chefin und ich sind jetzt übrigens ein Paar“ reicht aber auch nicht. Am besten tretet ihr gemeinsam auf, um euch gegenseitig Rückhalt zu bieten. Normalerweise sollte euer Geständnis aber keine negativen Folgen nach sich ziehen. Jedenfalls, wenn dein Chef sich nicht noch mit anderen Mitarbeitern vergnügt hat. Spaß beiseite. Natürlich kann es sein, dass deine Kollegen auf einmal anders mit dir umgehen und geredet wird mit Sicherheit. Das legt sich aber meistens nach ein paar Wochen. Lass sie sich an die neue Situation gewöhnen und gib ihnen und dir selbst Zeit! Oder hol dir hier Tipps, wie man sich bei den Kollegen beliebt macht.

# Die dramatische Trennung

Egal, ob die Kollegen nun von euch wussten oder nicht: Am Beziehungshimmel sind dunkle Wolken aufgezogen. Stress und Konflikte im Job haben euch immer weiter voneinander entfernt. Du hast sogar herausgefunden, dass dich deine Freundin und Chefin mit ihrem Gärtner betrügt. Deine Freunde haben es ja schon immer gesagt, auf sie ist kein Verlass. Eure Trennung ist jetzt unausweichlich. Was kommt danach? Solltest du kündigen?

Das kommt darauf an. Deine Kündigung sollte natürlich nur die letzte Option sein, wenn du dich im Unternehmen noch wohlfühlst. Schließlich hast du dir deine Position vermutlich hart erarbeitet. Es ist aber leider unwahrscheinlich, dass dein Chef vor dir das Feld räumt. Wenn es zu sehr schmerzt oder ein normaler Arbeitsalltag nicht mehr möglich ist, solltest du das Unternehmen wohl trotzdem verlassen – oder um eine Versetzung in eine andere Abteilung bitten. Die räumliche Trennung kann vieles einfacher machen und lässt die immer wieder hochkochenden Emotionen etwas abklingen. Wer weiß, vielleicht gibt es dann ja doch noch ein Revival von eurer Affäre.

Und wie sieht’s arbeitsrechtlich aus?

Die gute Nachricht: Niemand kann dich wegen einer Affäre mit deinem Chef kündigen. Nicht mal dein Chef selbst. Es geht niemanden etwas an, wen du liebst oder mit wem du das Bett teilst. Es gibt allerdings Einschränkungen. Wenn deine Arbeitsleistung unter deinen von roten Herzchen vernebelten Augen leidet. Aber auch das rechtfertigt noch nicht unbedingt eine Kündigung, eine Versetzung allerdings in gewissen Fällen schon.

Achtung: Diese Gesetzeslage gilt nur Jobs in Europa. In den USA zum Beispiel sieht das Arbeitsrecht ganz anders aus. Der Arbeitgeber kann dir dort tatsächlich vorschreiben, ob du eine Beziehung mit deinem Kollegen oder Chef führen darfst. Der US-amerikanische Konzern Walmart wollte diese Regelung vor einigen Jahren auch in seiner deutschen Tochter etablieren. Das Düsseldorfer Landesarbeitsgericht sah in der Ethikrichtlinie nicht nur einen Verstoß gegen das Arbeitsrecht, sondern sogar gegen Paragraph 1 und 2 des deutschen Grundgesetzes.

 

Dein Arbeitgeber: Ein Spiel mit dem Feuer?