Warum Unternehmen von Familienfreundlichkeit profitieren

Eigentlich sollte es jedem Unternehmenslenker einleuchten: Familienfreundlichkeit hilft und macht Sinn. Das haben unzählige Experten bereits herausgefunden. Wieso aber fällt es Unternehmen so schwer, dies zu akzeptieren und umzusetzen?

Meine Meinung? Nein, es liegt nicht an Profitgier. Denn wären Unternehmen profitgierig, würden sie familienfreundlich agieren. Es zahlt sich aus. Vielmehr scheint es sich eher um Unwissenheit zu handeln. Die Informationen zur Familienfreundlichkeit sind häufig vage. Vor einiger Zeit veröffentlichte ich einen Beitrag zum Thema „Fachkräftemangel – und es gibt ihn doch“. Darin schrieb ich unter anderem, dass Unternehmen helfen sollten, Frauen stärker ins Erwerbsleben einzubinden. Aus meiner Erfahrung hatten Unternehmen oft (fälschlich) angenommen, dass Mitarbeiter einfach kein Bedürfnis nach Familienorientierung haben. Familienfreundlichkeit startet einfach mit flexiblen Arbeitszeiten und der Akzeptanz, dass Mitarbeiter auch Eltern sein dürfen.

Hier kann man zwischen drei Dimensionen[1] unterschieden:

  1. positive Information
  2. positive Kommunikation
  3. Reaktion auf die Bedürfnisse und Probleme der Mitarbeiter

Darum zahlt sich Familienfreundlichkeit für Unternehmen aus

Familienfreundliche Unternehmen profitieren von einer Reihe an Effekten.[2] Allen voran steht die größere Mitarbeitermotivation und Mitarbeiterproduktivität auf der Plus-Seite. Dadurch gibt es auch geringere Krankenquoten und weniger gestresste Mitarbeiter. Mit weniger Eigenkündigungen spart das Unternehmen auch zusätzlich bei den Besetzungskosten. Netter Nebeneffekt: Familienfreundliche Unternehmen profitieren in der Regel von einem besseren Unternehmensimage. Dadurch erhalten Unternehmen einerseits gesteigerte Bewerberqualität, andererseits lockt das bessere Unternehmensimage auch mehr Kunden an.

Doch welche Unternehmen sind familienfreundlich?

Beispiele für familienfreundliche Unternehmen gibt es durchaus viele: In Deutschland fördert zum Beispiel das Netzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ die Diskussion, in Österreich ist es die Initiative Familie und Beruf. Als Beispiele können auch „unbekanntere“ Unternehmen Parade stehen wie:

  1. U.I. Lapp: Der Stuttgarter Familienbetrieb hat Vereinbarkeit zur Unternehmenskultur gemacht: Teilzeitmodelle für Führungskräfte, eine Schicht-Tauschbörse und kostenlose Informationsangebote zum Thema Pflege unterstützen Beschäftigte mit Familienaufgaben.
  2. Bausparkasse Schwäbisch-Hall: Mit innovativen, digitalen Lösungen unterstützt das Unternehmen flexible Arbeitsmodelle: Home-Office ist dank moderner Telefon- und Videokonferenzsysteme auch in Bereichen mit hohen Datenschutzanforderungen möglich.[3]

In Österreich zeichnen sich beispielsweise diese Unternehmen durch Familienfreundlichkeit aus. In der BKS Bank AG kann Peter, ein Bankangestellter, bereits um 8 Uhr anfangen und dadurch früher nach Hause gehen. Neben den flexiblen Arbeitszeiten freut er sich als Familienvater zusätzlich über die zur Verfügung gestellte Kinderbetreuung. Das gefällt natürlich sehr gut. Auch die T-System Austria kann in puncto Familienfreundlichkeit punkten.

2016 hat kununu zusammen mit dem Bundesfamilienministerium dazu auch einen Sonderstaatspreis zum familienfreundlichsten Employer Branding vergeben.

Insgesamt kann ich feststellen: Mitarbeiter sollten über den Bedarf im Unternehmen mehr mit den Vorgesetzten und wenn vorhanden mit dem Betriebsrat sprechen. Kommunikation schafft Bewusstsein. Darauf kann ein Unternehmen reagieren – und profitieren.

Wer allgemein auch einmal einen Blick in das Thema Work-Life-Balance werfen möchte, der kann sich hier die Top-Städte zum Thema Work-Life-Balance in Deutschland anschauen.

Über den Autor Steffen Zoller

Steffen Zoller ist Geschäftsführer von kununu.com, der größten Arbeitgeber-Bewertungs- und Employer-Branding-Plattform in Europa – kurz gesagt unser Chef. Er beschäftigt sich intensiv mit den Themen Arbeitgeber-Attraktivität und Fachkräftemangel und hat dazu bereits einige Veröffentlichungen publiziert. Der Serial Entrepreneur gründete 2007 Betreut.de, einen Marktplatz zur Vermittlung vielfältiger Betreuungs- und Pflegeangebote, der 2012 vom US-amerikanischen Unternehmen Care.com übernommen wurde. Andere Gründungen inkludieren InsightImage.com (2012) und Devugees.org (2016),
eine Refugee Coding School. 

 

Quellen:
[1] ffp.de
[2] ffp.de
[3] erfolgsfaktor-familie.de