Hellbrauner Boxer an der Seite der Beine seines Herrchens

Die wichtigsten Verhaltensregeln für Hund und Mensch im Büro

In immer mehr Unternehmen dürfen Hunde mitgebracht werden. Das hat gute Gründe, denn laut zahlreichen Studien steigern die pelzigen Vierbeiner unsere Produktivität, das Wohlempfinden und halten uns zudem fit. Gut für Dich – optimal für Deinen Arbeitgeber.

Gemeinsam mit Bardhi Murati, Hundepsychologe und Hundewissenschaftler, präsentieren wir Tipps und Verhaltensregeln, die Dir und Deinen Kollegen ein entspanntes Zusammenleben mit Hund (oder gar mehreren Office-Hunden) ermöglichen.

Fakt ist: Hunde tun uns gut!

Das Panfield Pet Hospital, eine Tierklinik in den USA, hat untersucht, wie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber von Hunden profitieren können. Befragt wurden dazu rund 200 Personaler und 1.000 Angestellte. Das Ergebnis: 70 % finden, dass Haustiere am Arbeitsplatz zu einem besseren Arbeitsklima beitragen. Die Gründe sind sowohl simpel als auch nachvollziehbar: Statt ständig vor dem PC zu sitzen, sind Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer förmlich gezwungen, mehrere kleine Pausen einzulegen, um einen Spaziergang zu unternehmen. Wer sich häufig bewegt, stärkt sein Immunsystem und wird seltener krank. Der Stresspegel wird zudem reduziert; man wird im Allgemeinen zufriedener. Außerdem lernt man zahlreiche Kollegen oder gar völlig fremde Menschen kennen, mit denen man ohne Hund an seiner Seite kaum ein Gesprächsthema hätte.

Neu im Büro?

Du bist neu im Unternehmen und hast Dich für einen Arbeitgeber entschieden, bei dem Du Deinen Liebling mitnehmen kannst? Hervorragend! Bevor Dich Dein Hund das erste Mal ins Office begleitet, sollten allerdings Informationen darüber eingeholt werden, wie die Arbeitszeiten aussehen, wann und ob kleine Pausen gemacht werden können (beispielsweise für Spaziergänge mit dem Hund) und wie die Kolleginnen und Kollegen auf Hunde reagieren. Es gibt genügend Menschen, die Hunde tolerieren und auch entzückend finden, aber einen überschwänglich-freundlichen, fast 40 Kilogramm schweren Labrador-Retriever dennoch nicht auf dem Schoß sitzen haben möchten. Zudem empfiehlt es sich, den Vierbeiner erst mitzubringen, wenn schon ein fixer Arbeitsplatz eingerichtet wurde.

Von Beginn an sollte ein Hundeplatz bereitgestellt werden, auf dem es sich gut entspannen und ruhen lässt. Zentrale Plätze wie beispielsweise mitten im Großraumbüro eignen sich weniger, da viele Menschen (die womöglich auch noch über das Tier steigen müssen) den Entspannungs- und Schlafrhythmus beeinträchtigen können.

Bello, brav sein!

Regeln sind im Alltag mit einem Hund wichtig. Noch wichtiger werden sie, wenn Kollegen durch die Anwesenheit Deines Vierbeiners in ihrer Arbeit nicht beeinträchtigt werden dürfen. Es empfiehlt sich daher, dem Hund von Beginn an zu vermitteln, dass Action in den Büroräumlichkeiten tabu ist. Hunde sind schlau und können gut zwischen dem Büro und Deinem Wohnzimmer, wo womöglich gerne mal gespielt wird, unterscheiden. Dazu empfiehlt es sich, die Kollegen darüber aufzuklären, dass mit dem Hund gerne in der nächsten (Rauch-) Pause vor der Tür gespielt werden kann. Schließlich soll Bello ein braver Bürohund bleiben und im Office entspannt statt aufgedreht sein. Apropos entspannt sein: Das gelingt Hunden nur dann, wenn Grundbedürfnisse wie Hunger, Durst oder Sozialkontakt(e) zum Menschen befriedigt sind. Einem Hund weniger zu trinken zu geben, um weniger Spaziergänge einlegen zu müssen, ist somit keine gute Idee und auch nicht tierschutzkonform.

Kauknochen und mit Leckerchen gefülltes Spielzeug sind gute Beschäftigungsmöglichkeiten für Hunde und werden in der Regel gerne angenommen – mit einem positiven Nebeneffekt: Kauen beruhigt und entspannt zusätzlich. Und keine Sorge – es gibt genügend neutral riechende Hundesnacks auf dem Markt.

Mehrere Hunde im Büro

Es versteht sich von selbst, dass alle anwesenden Bürohunde sowohl mit Menschen als auch mit Artgenossen verträglich sein müssen, um eine gute Atmosphäre im Büro zu gewährleisten. Beim Verlassen und Betreten der Büroräumlichkeiten sollten zudem alle Hunde gesichert sein, beispielsweise über eine Hundebox oder eine Leine. So verhinderst Du ungewünschte Spieleinlagen, die gerne mal lauter sind und nicht selten Gegenstände beschädigen. Management ist alles – eine kurze Absprache mit den anderen Hundebesitzerinnen und Hundebesitzern reicht meist schon aus, um eine angenehme Atmosphäre für alle Beteiligten zu schaffen.

Läufige Hündinnen sollten zu Hause gelassen werden, wenn Rüden ebenfalls im Büro anzutreffen sind. Mal ganz abgesehen davon, dass der Geschlechtsakt der Hunde binnen weniger Sekunden Unachtsamkeit vonstatten gehen kann, würden die Rüden im Office regelrecht wahnsinnig werden –manche weniger, manche mehr. Da nutzt es nur wenig, die Hunde räumlich zu trennen. Alleine der Geruch einer läufigen Hündin lässt so manchen Rüden dauerwinseln, jaulen oder Ausbruchsversuche starten. Übrigens reagieren auch kastrierte Rüden häufig auch läufige Hündinnen. Wenn keine Rüden anwesend sind und keine Möglichkeit besteht, den Hund zu Hause, bei Freunden oder einem Tiersitter-Service zu lassen, so empfiehlt sich ein Schutzhöschen, das es um wenig Geld im Tierbedarfsladen gibt – zwecks Hygiene und Sauberhalten der Räumlichkeiten.

Ausreichend Bekanntschaften schließen

Bei so manch einem Hund ist es wichtig, im Office viele Bekanntschaften mit Menschen zu schließen und diese positiv zu bestärken, zum Beispiel über das Füttern von Leckerchen. Viele Hunde neigen dazu, das Büro schnell als eigenes Hoheitsgebiet anzusehen. Kommt somit unerwarteter Besuch – sei es die Kollegin von der Presseabteilung oder der Chef – könnte der Hund weniger erfreut darüber sein und das tun, was für viele Hunde völlig normal ist: Die „eigenen“ vier Wände schützen. Weder möchten wir Bellorgien im Office, noch soll Bello andere Kollegen in Angst und Schrecken versetzen. Dazu muss dem Hund vermittelt werden, dass Menschen im eigenen Office gerne gesehen sind.

Wenn es Mitarbeiter gibt, die Hunde weniger mögen oder gar Angst vor ihnen haben, sollte eine Notiz an die Außenseite der Tür geklebt werden. Ein Hinweis wie „Freilaufender Hund im Büro“ reicht meist vollkommen aus. Auch kann ängstlichen Kollegen angeboten werden, erst vorsichtig zu klopfen. Man lotst den Hund anschließend auf seinen Platz und öffnet die Tür selbst. Auch hier gilt: Alles eine Frage der Management-Maßnahmen.

Auf die Hygiene achten

Vor allem in den Sommermonaten verlieren viele Hunde zahlreiche Haare, die sich anschließend im Teppichboden oder auf dem Parkett sammeln. Das kann schnell unangenehm für Kollegen werden, insbesondere, wenn im Office gegessen wird. So manch einem Menschen ekelt es vor Hundehaaren und dementsprechend ist der Hygiene selbst nachzugehen. Fusselroller sind eine gute Möglichkeit, schnell und effizient Hundehaare einzusammeln. Auch Schwimmeinlagen in der Mittagspause sollten eher vermieden werden. Beim Trocknen kommt es sonst schnell zum typischen „Nasser-Hund-Geruch“, an dem sich Nicht-Hundehalterinnen und Nicht-Hundehalter – verständlicherweise – stören könnten.

Die wichtigsten Do’s and Don`ts

Do’s:

  • Spiel und Spaß ist außerhalb der Räumlichkeiten grundsätzlich möglich und bereitet dem Hund nicht nur Freude, sondern macht zudem müde. Vorausgesetzt, das Spiel wird zeitgerecht beendet und der Hund dreht nicht zu hoch, sodass dieser – angekommen im Office – immer noch voller Tatendrang ist.
  • Der Hund soll – wenn nicht übermäßig ängstlich oder zurückhaltend – möglichst viele Freundschaften schließen, um sich wohl zu fühlen. Dazu können Kollegen mit Futter ausgestattet werden, das dem Hund als Snack zwischendurch gegeben wird.
  • Das Befriedigen der Grundbedürfnisse (wie zum Beispiel ausreichend Wasser, kein übermäßiger Hunger, das Verrichten aller Geschäfte) ist wichtig, damit der Hund entspannen kann.
  • Regelmäßige Spaziergänge bereiten dem Hund Freunde und halten Mensch und Tier fit. Eventuell wirst Du von Kolleginnen und Kollegen begleitet? Zahlreiche Freundschaften können entstehen.
  • Management ist alles: über die Eigenschaften des Vierbeiners aufklären (z.B. „Bello mag Streicheleinheiten am Kopf weniger, aber versuch’s mal an der Brustgegend – das liebt er!“), darauf achten, niemanden zu stören, sowie Action im Büro möglichst vermeiden.

Don’ts:

  • Den Hund frei im Office laufen lassen und gar nicht wissen, wo er sich gerade befindet. Bedenke: Selbst wenn niemand Angst vor Hunden hat, so kann dennoch mal ein Kunde vor der Tür stehen, der weniger erfreut darüber ist, von einem Hund begrüßt zu werden.
  • Den Hund nicht füttern oder ausreichend Wasser bereitstellen, um weniger Spaziergänge machen zu müssen.
  • Den Hund über einen vollen Arbeitstag hinweg in eine Box sperren. Hunde brauchen Bewegung und müssen sich auch mal strecken oder umlegen können.
  • Wilde Spieleinlagen im Büro.
  • Hinterlassenschaften des Hundes (ganz gleich ob Hundehaare oder vielleicht Unrat) nicht wegräumen, sondern die Aufgabe an das Putzpersonal übertragen.

Fazit

Hunde können die Stimmung im Büro deutlich heben, langfristig zur Gesundheit beitragen und Dir und Deinen Kollegen große Freude bereiten, sofern ein paar wenige Regeln eingehalten werden. Auf dass noch mehr Unternehmen Hunde in den Büroräumlichkeiten zulassen! 

Über den Tippgeber Bardhi Murati

Bardhi Murati hat Hundewissenschaften und Hundepsychologie studiert und setzt seine Schwerpunkte im Training auf eine solide Mensch-Hund-Beziehung sowie rassengerechte Ausbildung. Dabei wird ausschließlich tierschutzkonform gearbeitet. Unter dem Motto „Hundetraining auf Grundlagen der Verhaltensforschung“ leitet er die Hundeschule COURAGIERT, welche ihren Hauptsitz in Niederösterreich an der Stadtgrenze zu Wien hat. (www.couragiert.at)

Hundetrainer Bardhi Murati in kniehender Position mit Hund an seiner Seite