Start-up „Clue“: Von starken Frauen, Perioden und familienfreundlichen Benefits

Wenns läuft, dann läufts – und das tut es: fünf Millionen Nutzer in über 190 Ländern[1], Tendenz steigend, auf Investment folgt Investment. Und Ideengeberin Ida Tin wurde von der Europäischen Union als Female Entrepreneur of the Year ausgezeichnet. Der Grund für all die Euphorie: „Clue“ , ein Zyklusrechner für iOS, Android und die Apple Watch.

Die Base in Berlin, multikulti Start-up-Mentalität, Feminimus-Power: Längst gilt „Clue“ als Wunsch-Arbeitgeber. Was die Unternehmenskultur hier so besonders macht und warum jeder mal das Wort „Periode“ durchs Office schreien sollte, verrät unser Interview.

kununu: Überall Frühlingsgefühle. Was macht euch Clue’ler denn derzeit verdammt „happy“?

Lisa Kennelly von „Clue“: Mittagspausen. In unserem Fall heißt das: Am Kanal entlang schlendern, um am Türkischen Markt was Köstliches zu ergattern – und das dann in der Sonne zu essen. Für solch entspannte Auszeiten eignet sich Kreuzberg, wo wir unsere Büroräume haben, einfach hervorragend!

„Clue“ wurde im Jahr 2013 gelauncht. Mittlerweile ist das Start-up ordentlich gewachsen. 45 Mitarbeiter zählt „Clue“ aktuell. Wenn wir die fragen würden, was „Clue“ als Arbeitgeber so besonders macht, welche drei Dinge würden wohl am häufigsten genannt werden?

„Clue“ ist ein ziemlich besonderer Arbeitgeber – das zeigen drei Aspekte. Erstens liegt uns das persönliche Wachstum unserer Mitarbeiter am Herzen. So erhält bei uns jeder individuelles Feedback-Training. Dadurch konnte ein offenes und kommunikatives Umfeld entstehen. Auch gibts für Mitarbeiter ein Weiterbildungsbudget, welches für Workshops, Kurse, Trainings und Konferenzen verwendet wird – je nachdem, was gerade gefragt ist. Zusätzlich dazu steht unseren Kollegen ein ausgebildeter Berater zur Seite. Der kommt einmal wöchentlich ins Büro und bespricht mit ihnen sowohl persönliche als auch berufliche Herausforderungen, wenn sie es denn wünschen.

Der zweite wichtige Aspekt liegt in unserer Unternehmenskultur. Dazu ein Beispiel: Zweimal im Jahr gibts für das Team ein Offsite, wo wir intensiv über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Unternehmens nachdenken. Zum Sommer-Offsite gehts auf eine Insel in Kroatien. Letztes Jahr waren wir in der Sächsische Schweiz wandern. Das Jahr zuvor? Eine Alpaka-Farm in Brandenburg. Wir sind da ziemlich kreativ.

Drittens: unser Beitrag zur wissenschaftlichen Forschung. Wir arbeiten eng mit Partnern aus der Wissenschaft und Forschung zusammen, darunter zählen unter anderem Partnerschaften und Kooperationen mit Oxford, Stanford und Columbia. Einen wichtigen Beitrag zur Förderung von Frauengesundheit leisten – das ist ein Grund, warum sich viele Mitarbeiter entschieden haben, für „Clue“ tätig zu sein.

Und so siehts bei uns aus:

 

Job-Tinder, Recruiting mithilfe sozialer Medien oder die klassischen Job-Annonce: Wie findet ihr eure Mitarbeiter? Oder werdet ihr gefunden?

Eher letzteres. Viele unserer Mitarbeiter arbeiten für „Clue“, weil sie das Produkt lieben und sich gut mit der Marke identifizieren können. Die Mehrheit unserer weiblichen Angestellten war längst „Clue“-Nutzerin, noch bevor sie ihre Arbeitsverträge unterzeichnet haben.

Was versteht ihr selbst unter „frauenfreundlicher Unternehmenskultur“? Und wie wird diese bei „Clue“ gelebt?

Wir bei „Clue“ achten darauf, dass wir Arbeitnehmerinnen in allen Lebensphasen gerecht werden können – und dazu gehören natürlich Schwangerschaft, Geburt und Erziehung. Auch werden bei uns die Bedürfnisse älterer Mitarbeiter genauso wahrgenommen und berücksichtigt wie die von jüngeren Mitarbeitern.

Was sollten Unternehmen tun, damit sich Eltern wohl fühlen?

Sogenannte „familienfreundliche“ Strategien zielen hauptsächlich auf Elternteile ab. Viel wichtiger ist eine Struktur, die allen zu Gute kommt. Benefits, die zu diesem Standard zählen, sind: flexible Arbeitszeiten mit klaren Kernarbeitszeiten, Home Office, Elternurlaub. Daneben hilft es, kinderfreundliche Büroräume zur Verfügung zu stellen, damit Eltern ihren Nachwuchs zur Arbeit bringen können, wenn es denn zu ihren Bedürfnissen passt.

Vor kurzem habt ihr einen Hackathon veranstaltet. Kreatives Chaos oder voller Erfolg: Wie lautet euer Fazit?

Präzisere Vorhersagen und mehr persönliche Einblicke – das war erklärtes Ziel des Hackathons. Unser Fazit des Tages lautet: Ein voller Erfolg! Die vielen Präsentationen zeigten neue Ideen und Wege auf, wie wir die „Clue“-Daten noch besser nutzen können – und letztendlich profitiert davon jeder einzelne User.

 

 

Medien und Menstruation – zwei, die nicht so recht zusammenkommen wollen. Aber als ein Gynäkologie-Professor kürzlich forderte, Frauen Anspruch auf drei bezahlte Krankheitstage pro Monat zu gewähren, da gab es viele fette Schlagzeilen. Was meint ihr: Richtig guter Vorschlag oder eher ein zusätzlicher Diskriminierungsbooster?

Wir finden: Wenn sich Arbeitnehmer krank fühlen, sollten sie nicht zur Arbeit gehen müssen. Das Gleiche gilt für Periodenschmerzen.

Erdbeerwoche, rote Welle, Bloody Mary im Abo: Überall auf der Welt haben Frauen Synonyme gefunden, um – Achtung, wir nennen das Kind beim Namen – über ihre Menstruation zu sprechen. Stichwort „Period Shaming“. Die Hälfte der Menschheit hat monatliche Blutungen und trotzdem ist das Thema mit einem Tabu oder zumindest aber mit sehr viel Peinlichkeit belegt. Wie lässt sich das „überholen“?

„Period Shaming“ kann nur überwunden werden, indem man darüber spricht! Im November 2015 haben wir unsere User zu ihrer Einstellung gegenüber ihrer Menstruation befragt – und bekamen 90.000 Mal Feedback aus 190 Ländern.

 

 

In aller Kürze: Unsere Untersuchung hat ergeben, dass Frauen weltweit Euphemismen verwenden, wenn sie über ihre Periode sprechen. Auch ist es ihnen unangenehm, mit einem männlichen Familienmitglied, Kollegen oder dem Freund über ihre Periode zu sprechen – egal, ob sie in östlichen oder westlichen Erdteilen leben.

Warum trauen sich eigentlich so wenige Männer an das Thema Menstruation ran? Und wie offen gehen die „Clue“-Kollegen mit dem Thema um?

Nicht nur Männer… Viele Menschen aller Geschlechter trauen sich nicht an das Menstruationsthema heran, weil sie damit aufgewachsen sind, dass man darüber eben nicht spricht. Oft fällt es Erwachsenen schwer, mit den eigenen Kindern über den weiblichen Zyklus und Blutungen zu sprechen. Das sollte nicht sein. Perioden sind etwas höchst Natürliches, für das sich niemand schämen sollte!

Wie unsere männlichen Mitarbeiter mit dem Thema umgehen? Wird hier verraten. Jón, unser Director of Engineering, sagt dazu:

„Ich hatte das Glück mein ganzes Leben von starken Frauen umgeben zu sein. Ich wurde von starken Frauen aufgezogen. Also war das Thema Periode für mich nie mit einem Tabu belastet, sondern immer vollkommen natürlich und normal – so wie es sein sollte.“

All unsere Mitarbeiter haben die Mission, die Hemmungen rund um das Thema weiblicher Zyklus abzubauen. Wichtige erste Schritte: mit Familienmitgliedern, Freunden und natürlich auch den Kollegen offen über Perioden, den weiblichen Zyklus und Sex sprechen.

Digitale Geburtenkontrolle per App

Hinter Clue steht die BioWink GmbH, die 2012 von Ida Tin, Hans Raffauf, Moritz von Buttlar und Mike LaVigne gegründet wurde.

Im Juli 2013 erfolgte der Launch der App.

„Track your cycle“ – Beobachte deinen Zyklus – lautet deren Message. Clue hält Frauen über ihren Monatszyklus auf dem Laufenden, errechnet Eisprung und die fruchtbare Tage. Seit kurzem kann man diese Daten auch mit der Health-App am iPhone verknüpfen.

 

 

 

 

 

Quelle: [1] telegraph.co.uk