Social Media

Social Media Experte (m/w) – so finden Sie ihn oder werden selbst zum Experten! Eine Anleitung.

Mit einem vollen Rucksack von Themen kehre ich von der Zukunft Personal 2010 zurück, wo ich in zahlreichen Gesprächen am kununu Messestand und im Nachgang meines Vortrags zu HR Social Media die Gelegenheit hatte, die Themen, Frage- und Problemstellungen, die Personaler rund um Social Media im HR Einsatz bewegen, zu identifizieren.

Abgesehen davon, dass auf der Zukunft Personal 2010 deutlich zu beobachten war, dass das Thema Social Media in Personalabteilungen eines der beherrschenden Themen ist, fragten sich (und mich) zahlreiche Personaler, wo sie einen „Social Media Experten“ zur Unterstützung ihrer Personalarbeit, finden und welche Qualifikationen ein/e solche/r mitbringen muss. – Inspiration genug um diesen Beitrag zu verfassen.

Das Interesse an Social Media Experten scheint groß zu sein. Sucht man auf monster.de mit dem Stichwort „Social Media“ so bekommt man 282 ausgeschriebene Stellenanzeigen angezeigt. Imposante 63 davon werden von den namhaftesten Unternehmen der JobStairs-Community (einem Zusammenschluss der 50 größten Unternehmen im DACH Raum) ausgeschrieben. (jobstairs.de)

Für Sie – der/die vielleicht ebenfalls nach einer solchen Person Ausschau hält, habe ich 3 Nachrichten – eine gute und zwei schlechte.

Die zwei schlechten Nachrichten zuerst:

#1. Es wird nicht leicht werden diesen „Experten“ für Ihr Haus zu gewinnen, da durch den Umstand, dass die attraktivsten und bekanntesten Unternehmen derart viele Social Media Stellen zu besetzen haben, es für kleinere und unbekannte Unternehmen schwer werden wird, Talente für ihr Unternehmen zu begeistern. (das übliche Problem setzt sich auch hier fort …)

#2. SM Experten gibt es nicht wie Sand am Meer! Jemand, der ein wahrer Experte ist und nur einen Funken Verstand hat, macht sich als Social Media Berater selbständig und will nicht in einem Vollzeit-Arbeitsverhältnis arbeiten. In diesem Markt herrscht derzeit ein solch hoher Beratungs-Bedarf, daß SM Experten (mit guten Referenzen) wie die berühmten warmen Semmeln, vergriffen sind.

Nun zur guten Nachricht:

Social Media ist nicht rocket-science! Es ist relativ einfach SM Kompetenz – noch dazu CI-konform – bei Personen aufzubauen bzw. gedeihen zu lassen – vorausgesetzt Sie finden den/die Richtige/n mit dem richtigen skill-set, auf das ich nun im Detail eingehen möchte:

Prüfen Sie beim Background-Check bzw. sprechen Sie folgende Kriterien beim Bewerbungsgespräch an bzw. setzen Sie diese schon in der Stellenausschreibung voraus:

Was einen Social Media Experten ausmacht: (im Text verwende ich „Experte“ geschlechtsneutral)

1. Umgang mit Social Media Kanälen – wie nutzte der Experte SM Kanäle bisher?

Facebook – Achten Sie hier auf Dinge wie:

– Benutzt der „Experte“ Facebook um sein Inneres nach Außen zu kehren oder nutzt er Facebook zum Aufbau einer digitalen Identität, die bei Bewerbung und Karriere nicht hinderlich ist. -> Das zeugt von einem verantwortungsbewussten Umgang mit dem Medium, Weitblick und der Fähigkeit Informationen auf deren SM-Tauglichkeit einzuschätzen.

– Welche Seiten zählen zu seinen „Fan-Seiten“? -> Dies läßt viele Rückschlüsse auf seine Persönlichkeit und Interessen zu.

– Achten Sie generell auf die „Qualität“ seiner Facebook Seite: Qualität der Beiträge, der Fotos, der Links, der Freunde.

Twitter – Achten Sie hier auf Dinge wie:

– Ist der „Experte“ eher ein „Tweeter“ (jemand, der aktiv Beiträge verfasst) oder ein „Re-Tweeter“ (jemand, der Twitter als Nachrichtenkanal benutzt und qualitative Beiträge an seine Folgschaft=follower weiterleitet)? Ein Tweeter ist einem Re-Tweeter vorzuziehen, da er sich die Mühe macht, Beiträge (idealerweise mit Mehrwert) zu verfassen und die Kunst beherrscht, Nachrichten auf 140 Zeichen zu komprimieren.

– Wieviele „follower“ weist der „Experte“ auf? Eine hohe Anzahl von followern bei Privatpersonen, lässt auf eine hohe Qualität seiner Twitter-Beiträge schließen. (oder auf einen großen Freundeskreis ;-))

– Achten Sie auch hier auf die Qualität seiner Twitter-Beiträge analog zu Facebook.

Übrigens #1 – eine Nicht-Existenz des „Experten“ auf Facebook, Twitter oder XING ist unverzeihbar, da er zumindest zum Erlernen der Funktionsweise der Tools, Präsenzen pflegen sollte!

Übrigens #2 – obwohl Facebook Background-Checking verboten werden soll/wurde, erachte ich es als absolut legitim einen SM „Experten“ anhand dieser Kanäle zu überprüfen, da diese seine Referenzen/Arbeitszeugnisse sein sollten.

2. Social Media Know-How

Fragen Sie nach seinen Informationsquellen zu Social Media und welche Bücher er hierzu gelesen hat.

Ein „Experte“, der z.B. Internet World Business (Internet-Fachzeitung) und Wired (Internet-Fachmagazin) nicht abonniert hat und/oder „Social Media Marketing“/Weinberg bzw. „Socialnomics“/Qualman nicht gelesen, techcrunch.com, deutsche-startups.de, mashable, somain.org, web2null.de nicht als Lesezeichen abgespeichert hat, hats nicht verstanden …..

Sie könnten auch hier über die Personensuchmaschine yasni.de in seine Amazon-Wunschliste einsehen und ersehen aus dieser, wie tief sein SM Interesse wirklich geht.

Genauso gehört zum SM-Experten-Know-How die geschichtliche Entwicklung der SM Kanäle, die Gründerstories etc. um deren zukünftige Entwicklung einschätzen zu können.

3. Social Media Awareness

Fragen Sie den „Experten“ nach seiner Meinung bzw. Know-How zu Themen wie „Social Media Policy“, „Social Media und Arbeitsrechtfragen“, Beispielen für „Social Media Fehler“ durch Unternehmen bzw. Personen (Dell, Nestlé, Jack Wolfskin, Vodafone UK etc….)

Der „Experte“ muss sich der Tragweite seiner Taten und Wichtigkeit seiner Handlungen für Ihre Arbeitgebermarke/- reputation bewusst sein und je mehr er Ihnen zu den obigen Themen erzählen kann, desto mehr hat er sich auch kritisch mit der Kehrseite der Social Media Medaille auseinandergesetzt – ein wichtiger erster Schritt zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Facebook & Co. – im Namen Ihres Unternehmens!

Tipp: Am besten lassen Sie jeden Bewerber eine A4 Social Media Guideline erstellen – das gibt Ihnen einen sehr guten Einblick in die Denkensweise des „Experten“ zu SM. Man erliest was ihm/ihr wichtig erscheint (bedenkend, dass er/sie sich von einer privat in SM handelnden, zu einer in Unternehmens-Auftrag handelnden Person wandelt) und zwingt zu einer Vorab-Auseinandersetzung mit den Schattenseiten von Social Media.

4. Social Media Openness

Neben dem obigen Check ob der „Experte“ schon früher offen für viele Social Media Kanäle war, ist eine andauernde Offenheit für sämtliche SM Kanäle enorm wichtig. Ein „Experte“, der persönlich eine Abneigung gegen einen Social Media Kanal hegt und dabei übersieht, dass sich dort vielleicht (auch wenn es ihm widerstrebt, er es nicht wahrhaben möchte oder versteht) eine wichtige Zielgruppe für Ihr/sein Unternehmen bewegt, gehört hinter den Mond geschossen. (Nebensatz: Erleben wir gerade oft beim Thema kununu.com …deshalb bin ich hier bißchen emotional ;-))

5. Social Media Tools

Fragen Sie den „Experten“ doch einmal, wo man die „Privatsphäre-Einstellungen“ auf Facebook vornimmt und wieviel „Privatsphäre“ auf Facebook wirklich möglich ist, wie man verhindert, dass man bei Facebook Fotos vertaggt wird, bzw. Tags entfernen kann oder fragen Sie Ihn wie man sich auf Twitter sämtliche Beiträge zu einem Thema anzeigen lassen kann. (#siemens)

Fragen Sie ihn ob er Google Alerts, cotweet.com oder technorati.com kennt (Stichwort: Social Media Monitoring) und anzuwenden weiß.

6. 24/7

Ein echter Social Media Experte scheut nicht davor zurück, auch am Wochende zum Smartphone zu greifen und auf Beiträge zu Ihrem Unternehmen zu reagieren. Auch Allzeit-Bereitschaft zum Dialog mit z.B. Bewerbern, auf den von Ihnen gepflegten Social Media Kanälen, ist eine wichtige Voraussetzung. Nun …. hierfür muss Ihr Social Media Experte Ihr Unternehmen wirklich lieb haben, um diese Bereitschaft (wenn vielleicht auch nie notwendig umzusetzen) einzugehen.

Sie sehen – so einfach ist „Expertentum“ auf dem Gebiet Social Media nicht und geht weit über die Existenz des Bewerbers mit einem Account auf Facebook oder Twitter hinaus. Auch das Verfassen einer Diplomarbeit zu Social Media qualifiziert nicht Jeden zum „Experten“.

Ein echter Social Media Experte weist eine hohe Flexibilität bei der Nutzung von Social Media, Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Kanälen, ständige Fortbildungs- und Lernbereitschaft, solides technologisches Grundverständis des Internets und ein ganzheitliches Verständnis der Psychologie von Social Media auf (!).

Wenn Sie eine Person finden, die 50% der obigen skills aufweist, so besteht eine große Chance, dass diese sich zu einem „Experten“ entwickeln kann. Ein echter „Experte“, der sich als solcher auch bezeichnet muss für mich 100% der obigen skills aufweisen – ansonsten ist er ein Blender …… und davon gibt es zurzeit unter Bewerbern wie auch Personalberatern, Personalmarketing-Agenturen, „Social-Media-Agenturen“, Vortragenden, Seminarveranstaltern etc. genug.

Seien Sie skeptisch, hinterfragen Sie und lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen.

Wichtig: Sie können den besten SM Experten in Ihrem Unternehmen beherbergen – er wird sich an seinen Aufgaben die Zähne ausbeißen, wenn Ihr Haus selbst nicht Social Media-tauglich/fit ist. D.h. wenn kurze und/oder Entscheidungswege fehlen, keine Offenheit für Dialog oder Feedback (positiv wie negativ!), Unklarheiten in der SM Kompetenzverteilung zwischen GF, Kommunikation, HR, Marketing bestehen oder keine Möglichkeiten für eine authentische Darstellung (z.B. Verbot von Fotos vom Arbeitsalltag) des Arbeitgebers die Arbeit eines SM Experten erschweren, dann wirds doppelt schwer: einen Experten zu finden und längerfristig im Unternehmen zu halten.

Übrigens: Wenn ich heute einen Social Media Verantwortlichen für mein Unternehmen suchen würde, würde ich eine junge Person, frisch von der Uni schnappen und nach meinen Wünschen formen – vorausgesetzt diese erfüllt 50% der obigen skills. Zuvor würde ich auf Facebook, Twitter und Co. eine Präsenz einrichten und erste Erfahrungen sammeln, oben erwähnte Bücher lesen, die oben erwähnten Zeitschriften und Magazine abonnieren und mir die obigen Webseiten als Lesezeichen abspeichern und regelmässig aufrufen.