Junge Frau steht am Strand und macht Fotos mit der Kamera vor dem Gesicht

So viel Urlaub steht Dir wirklich zu

Laptop aus, raus aus dem Büro und das für 3 Wochen – endlich Urlaub. Wer sich in die wohlverdiente Auszeit verabschiedet, hat den mühsamen Teil schon hinter sich. Ja, die rede ist von der Urlaubsplanung. Jeder der es schon hinter sich hat weiß, in Hinsicht auf Chef und Kollegen muss natürlich mancher Kompromiss in Kauf genommen werden. Lasst Euch dabei nicht über den Tisch ziehen. Bereitschaft, Sonderurlaub & Co. – wir zeigen Euch, was wirklich geht und was nicht. Und das Beste: Dir steht wahrscheinlich mehr Urlaub zu, als Du wusstest.

Endlich Urlaub, oder?

Bevor es endlich „vamos a la playa“ heißt, kommt es erstmal zum obligatorischen Showdown in der Arbeit. Die Urlaubsplanung ist eines der heikelsten Themen in der Jahresplanung. Während nur ein kleiner Teil der Arbeitnehmer die Nebensaison zur Erholung nutzt, buhlt die große Masse um das schmale Hochsommerfenster von Juli bis August – skurrile Abmachungen inklusive.

Urlaubs Fakten, die jeder kennen sollte

Urlaub muss immer mit dem Arbeitgeber vereinbart werden. Ist der Urlaub einmal genehmigt, kann der Arbeitgeber diesen nicht zurückziehen. Mit einer Ausnahme: Macht der Arbeitgeber von seinem Recht des Urlaubsrückrufes bzw. dem Ferienrückrufrecht gebrauch, setzt dies jedoch einen dringlichen und unvorhersehbaren Ausnahmefall voraus. Neben der schlechten Laune des Arbeitnehmers trägt der Arbeitgeber dann zusätzlich die Schadenersatzpflicht für den nicht zustande gekommenen Urlaub.

Wer nur mit Diensthandy in den Urlaub entlassen wird, kann dieses bei der Ankunft im Paradies gleich im Meer versenken. Dem Arbeitgeber ist es nicht gestattet, auch im Urlaub Bereitschaft zu fordern. Auch nicht als Druckmittel für einen längeren Urlaub am Stück. Deshalb: Handy aus. Relax-Mode an.

Apropos Urlaub am Stück: In Deutschland haben Arbeitnehmer Anspruch auf einen zusammenhängenden Urlaub von 12 Werktagen bzw. 10 Arbeitstagen en suite – egal was der Chef sagt. In der Schweiz müssen ebenfalls zwei Ferienwochen zusammenhängen.

Wer verspätet vom Urlaub zurückkommt muss mit einer Abmahnung rechnen, außer es liegen triftige Gründe wie eine Naturkatastrophe vor. In der Schweiz zählt die ungewollte Verlängerung des Urlaubs allerdings nicht zum Betriebsrisiko. Hier spricht man von „höherer Gewalt“ – und dafür gibts keinen Lohnanspruch.

Die sogenannte Urlaubssperre gibt es sowohl in Deutschland und Österreich wie auch in der Schweiz. Sie kann vom Arbeitgeber für einen gewissen Zeitraum ausgesprochen werden, wenn die wirtschaftliche Dringlichkeit besteht. So sind Urlaubssperren in der Vorweihnachtszeit im Einzelhandel sehr gängig.

Besonders ausgefuchst, aber nicht zulässig: die Auszahlung von Urlaubstagen. Urlaub muss konsumiert werden. Einzige Ausnahme ist die Vergütung von Resturlaub bei Entlassung oder Kündigung.

Und last but not least: Der Arbeitgeber kann den Arbeitnehmer nicht zum Urlaub zwingen – auch wenn das wahrscheinlich eher selten der Fall ist.

So viel Urlaub steht Dir wirklich zu

In Deutschland und der Schweiz liegt der gesetzliche Urlaubsanspruch bei einer Fünftagewoche bei 20 Arbeitstagen. Bei einer Sechstagewoche liegt der Anspruch verhältnismäßig bei 24, bei einer Viertagewoche bei 16 Urlaubstagen. Die Österreicher können bei einer Fünftagewoche sogar mit 25 Arbeitstagen pro Jahr planen. In Deutschland gilt der volle Urlaubsanspruch nach 6 Monaten ab Arbeitsantritt. Davor haben Arbeitnehmer pro vollem Monat ein Zwölftel Ihres Jahresurlaubs zur Verfügung. Man spricht hier vom sogenannten Teilurlaub. Als Berechnungsgrundlage zählt dabei der volle Monat ab dem Arbeitsantritt. In Österreich haben Arbeitnehmer in der Probezeit aliquoten Urlaubsanspruch ab dem Arbeitsantritt.

Tipp: Neulinge ziehen bei der Urlaubsplanung häufig den Kürzeren. Ist der Urlaub bereits gebucht und kann nicht verschoben werden, sollte das schon im Einstellungsgespräch angesprochen werden. Da im Normalfall noch kein längerer Urlaubsanspruch besteht, ist eine unbezahlte Freistellung eine saubere Lösung für beide Seiten.

Für Azubis gilt in Deutschland eine Sonderregelung: Wer unter 16 ist, bekommt 25 Urlaubstage. Unter 17 Jahren immerhin noch 23 und unter 18-jährige 21 Urlaubstage. In der Schweiz verfügen Arbeitnehmer unter 20 Jahren ebenfalls über mindestens 25 Urlaubstage. Ausschlaggebend ist dabei das Alter zu Beginn des Kalenderjahres.

Das (Sonder-)Urlaubsplus

Wer damit nicht genug hat, für den gibt es ein Fünkchen Hoffnung. Sonderurlaub heißt das Zauberwort, dass Euch geschickt eingesetzt einige Tage extra Freizeit beschert. Auch Sonderurlaub ist gesetzlich festgelegt und muss bei gegebenen Anlass vom Arbeitgeber genehmigt werden. So erhält man für einen betrieblich bedingten Umzug in Deutschland einen Tag frei. In Österreich bekommt man auch für einen Wohnsitzwechsel aus privaten Gründen zwei Tage frei. Ebenso ist die Verteilung bei der Geburt des eigenen Kindes. Für die Hochzeit gibt es in Deutschland einen Tag extra Urlaub. Für die Österreicher gibts dafür satte drei Tage bei der eigenen und einen Tag bei der Hochzeit eines Kindes oder der Geschwister aufs Urlaubskonto.

In der Schweiz erhält man für diese Fälle ebenfalls Sonderurlaub. Die Dauer ist dabei jedoch nicht gesetzlich geregelt, sondern im Arbeitsreglement des jeweiligen Arbeitgebers festgelegt.