Exit-Strategien: Warum Du sinnbefreite Meetings schwänzen solltest

Montagmorgen. Ein Blick in den Kalender und die Nackenhaare stehen senkrecht: Dein Sitzfleisch ist gefragt. Meeting jagt Meeting. Eine Schwafelrunde folgt der anderen – und das nahezu jeden verdammten Arbeitstag? Wait. Die verordnete Sitzblockade muss nicht sein. Wir verraten, wie Du unnötige Meetings souverän umgehst.

Einer vor allen, alle vor einem

Je größer der Arbeitgeber, desto mehr Meetings. Mit steigender Größe eines Unternehmens, mit verschiedenen Abteilungen oder der Verteilung auf verschiedene Räume wird regelmäßiger Austausch irgendwann nötig.

Eine Studie kam etwa zu dem Ergebnis, dass Mitarbeiter im Schnitt 21 von 40 Wochenstunden in Sitzungen verbringen[1]. Führungskräfte aka die „Heavy-Meeter“ verbringen im Durchschnitt gar 7.000 Stunden pro Jahr in Konferenzen. Unterm Strich wird da kostbare Arbeitskraft und kreative Energie auf gepolsterten Kunstfaserstühlen platt gesessen – über Millionen von Stunden hinweg.

Die Vorteile von Meetings liegen auf der Hand: Bei den Gruppenbesprechungen können gleich mehrere Personen auf den Status Quo gebracht werden. Deinem Chef, Abteilungsleiter oder Team bleiben so viele Einzelgespräche erspart. Sie sind dazu da, Produktions- und Entscheidungsprozesse transparent zu machen. Darüber hinaus bieten Meetings die Möglichkeit, kreativ im Kollektiv verschiedene Sichtweisen zu durchdenken. Stichwort: Schwarmintelligenz. Funktioniert nur in der Gruppe.

„Lost“ in Schwafelei

Die andere Seite der Medaille: Meetings gehören zu den größten Zeitdieben im Büroalltag, manche ziehen sich gar in die Länge wie Kaugummi am Schuh. Mitunter werden Meetings rein aus Gewohnheit einberufen. Die Notwendigkeit wird nicht hinterfragt.

Hinzu kommt: In Meetings wird oft nur über abstrakte Probleme, Hypothesen und Was-wäre-wenn-Szenarien gesprochen. Schlechte Termine demotivieren, unterminieren Teams und schwächen Führungskräfte.

Schon mal den Begriff Meeting recovery syndrom gehört? Es beschreibt die Zeit, die Arbeitnehmer nach einer – meist unproduktiven – Besprechung brauchen, um „runterzukommen“ und sich zu erholen. Betroffen sind nicht nur die Teilnehmer selbst, sondern auch ihre Kolleginnen oder Kollegen, die sich Klagen und den Frust anhören müssen. Die beiden amerikanischen Psychologen Doyle und Straus haben diesen Begriff bereits in den 1970er-Jahren geprägt.

Egal, ob sie Meeting heißen, Jour fixe, Sitzung, Besprechung oder Konferenz – immer wieder weist die Forschung nach, dass der Mehrheit der Angestellten und Vorgesetzten die zu vielen Arbeitstreffen auf die Nerven gehen. Zu viele Besprechungsrunden sind nicht nur lästig. Sie machen krank, das haben nun Arbeitspsychologen herausgefunden[2]. Demnach machen Meetings vor allem jene krank, die besonders häufig in Meetings sitzen. Denn allzu oft ist man mit dem Ergebnis unzufrieden – und Frust macht bekanntlich mürbe und schlägt aufs Gemüt.

Slideshow: selten Ergebnisse, viel Palaver

Auf den Tischen türmt sich die Arbeit. Doch verloren im Besprechungs-Dschungel siehst Du Deinen Schreibtisch nur noch selten? Damit bist Du nicht allein.

Dass Euch das Thema Meetingkultur beschäftigt, zeigt unsere kununu Datenbank. 11.876 Bewertungen enthalten den Begriff „Meeting“ – mal im lobenden Kontext, mal garniert mit reichlich Kritik an die Obrigkeit. Fünf Beispiele in der Slideshow:

 

2+1 Exit-Strategien, die Dich wieder mit Deinem Schreibtisch vereinen:

#1 Geh gar nicht erst hin

Manch einer fürchtet, er gelte als Abkömmling, wenn er ein Meeting absagt. Das ist falsch. Nicht alle Meetings sind notwendig. Scheue Dich nicht vor Absagen. Verabschiede Dich vom blinden Gehorsam, teilnehmen zu müssen. Entscheide, wo Du wirklich hinmusst, wo Du nachher mit gutem Gefühl wiederkommst. Deine Priorität sollte bei Dir erteilten Aufgaben liegen und der Zeit, die Du dafür zur Verfügung hast.

#2 Geize mit Anwesenheit

Eine weitere Faustregel: Nicht jeder muss von Anfang bis Ende dabei sein. Wenn Du der Meinung bist, Du hast das Wichtigste der Besprechung geliefert und mitgenommen, dann ab mit Dir! Es gibt viele Möglichkeiten, die Teilnahme mit Diplomatie zu verneinen. Ein Beispiel: „Ich habe bereits ein wichtiges Telefonat.“ So simpel wie effektiv!

#3 Trenne Körper und Kopf

Wenn #1 und #2 nicht fruchten oder Dir schier unmöglich sind, dann glänze mit körperlicher Anwesenheit. Sieht ja eh niemand, was in Deinem Kopf abgeht. Und wenn Du den Bildschirm abdunkelst, kleinere Erledigungen abarbeitest, hin und wieder brav nickst, gelegentlich ein „Mmh, durchaus“ oder „Macht Sinn“ in die Runde wirfst, ist die Meeting-Zeit gar nicht so in den Sand gesetzt.

 

Quellen:

[1] bain.de
[2] zeit.de