einhorn: Arbeitgeber mit Orgasmusgarantie

Mit fairen, nachhaltig hergestellten Kondomen die Lust beflügeln: Das war die Vision von Waldemar Zeiler und Philip Siefer. Ihr Start-up erblickte vor drei Jahren das Licht Berlins – und eroberte die Hipsterherzen im Sturm. Doch auch fernab der Hauptstadt liebt es sich vielfach nur noch mit einhorn. Und für das Unternehmen will sowieso jeder arbeiten. Der Grund: Zeiler und Siefer wissen, wie man Mitarbeiter glücklich macht. So richtig, richtig glücklich. In Sachen Unternehmenskultur und Mitarbeiterführung wagen sie sich auf neue Wege. Ein Interview.

1. Endspurt. Wie lautet denn die einhorn’sche Bilanz des vergangenen Jahres?

Wir sind unserem Ziel, den Kapitalismus zu hacken, 3,675 Prozent näher gekommen. Damit können wir uns sehr glücklich schätzen, gleichwohl haben wir noch einen langen Weg vor uns.

2. Sex ist Euer Business. Was ist sonst noch top an Eurem Job?

Ein einhorn zu sein, ist kein Job sondern eher Berufung. Denn mit großer Macht kommt auch große Verantwortung – das wusste bereits Spiderman. Aufgrund unserer Unabhängigkeit können wir verschiedene Unternehmensmodelle und Arbeitsweisen testen, um unserem Ziel von einer fairen und nachhaltigen Wirtschaftswelt näher zu kommen. Aber es lastet auch viel Verantwortung auf unseren Schultern, da wir als Vorbild vorangehen und beweisen wollen, dass Unternehmertum auch die Lösung für die großen Probleme unserer Zeit sein kann und nicht nur ihr Beschleuniger. Inzwischen haben wir eine ganze Bewegung angestoßen, die wir auf den Namen Entrepreneur’s Pledge getauft haben.

3. Ihr bezeichnet Euch selbst „eher als Mentoren, weniger als Chefs“. Dazu die Erklärung, bitte…

Wir glauben, dass in jedem Unternehmergeist schlummert. Und dass, wenn man seinem Team möglichst viel Entscheidungsfreiheit einräumt, bessere Ergebnisse erzielt werden. Als Unternehmer haben Philip und ich immer tolle Mitunternehmer als Berater und Mentoren genutzt und bieten diesen „Service“ nun unserem eigenen Team an, um bessere Unternehmer im Unternehmen zu werden. Außerdem hatten wir auf ganz viele typische „Chef-Aufgaben“ keine Lust mehr. Dazu zählten beispielsweise Gehaltsverhandlungen. Und sind diese lästigen Aufgaben mit diesem Modell jetzt los.

4. Job-Tinder oder eher die „oldschool“ Initiativbewerbung: Wie findet Ihr passende Mitarbeiter – oder werdet Ihr gefunden?

Wir schreiben selten Positionen aus und wenn, dann immer ganz getreu unseren drei Firmenwerten. Diese sind 1. Fairstainable 2. Unicornique 3. FuG (fight & hug). So haben wir keine klassische Stellenanzeige, sondern ein Kreuzwort-Rätsel mit Skills- und Kulturfragen. Und nur wer das Rätsel löst, erhält die Bewerbungsemail. Viel lieber ist uns aber, wenn einhörner sich einfach so bei uns melden und irgendwas mit uns machen wollen. Sie begeben sich damit in unser Planetensystem und kreisen um uns herum mit verschiedenen Projekten. Kommen sie uns irgendwann zu nahe, stellen wir sie ein.

5. Euer Team sorgt dafür, dass Ästheten sich die poppig-bunten Kondomverpackungen am liebsten in den Bilderrahmen hängen. Auf 15 zufriedene einhörner kommt Euer Unternehmen derzeit. Also mal her mit dem Erfolgsrezept: Wie lässt sich ein mieses Betriebsklima verhüten?

Ich bin mir sicher, wir hätten mindestens einen kununu Score von 5,15 Punkten verdient [Anm. d. Redaktion: 5 kununu Punkte sind das Maximum]. Unser Erfolgsrezept ist sicher die große Überlappung der magischen drei Kreise von Fähigkeiten, Selbstbestimmung und Sinn… und einer Menge Feenstaub!

6. Was versteht Ihr unter einer sinnvollen Unternehmenskultur?

Ansichtssache. Aber ich glaube, die Fluktuation gibt schon einen ganz guten Eindruck, ob es in einem Unternehmen cool zugeht. Langfristig muss das Unternehmen den Mitarbeitern auch ihre eigene Sinnfrage beantworten. Je näher die Unternehmensziele an den Lebenszielen des Teams liegen, desto zufriedener sind alle.

7. „Was er nicht weiß, macht ihn nicht heiß“ – oder wie offen sollte man mit den eigenen Mitarbeitern umgehen?

Wir wollen keine Mitarbeiter, sondern Mitunternehmer. Als Unternehmer brauche ich für gute Entscheidungen alle vorhandenen Informationen und deswegen erübrigt sich diese Frage bei einhorn. Alle können alles wissen. Das Bankkonto ist für jeden einsehbar und die Gehälter transparent.

8. Gehalts- und Urlaubsgespräche sind ja so wie der erste laute Pups des neuen Partners: etwas peinlich, teilweise unangenehm. Und trotzdem seid Ihr erhobenen Hauptes in eine solche Situation reinspaziert, habt euch mit Euren Mitarbeitern zusammengesetzt und übers Gehalt gesprochen. Hand aufs Herz: Keine Bedenken gehabt vorm Entblößen?

Und wie! Wir haben bei unserem Team-Offsite – das waren zehn einhörner, drei Tage, ein Haus – uns einen Tag lang um das Thema herumgedrückt. Und als es losging, standen alle auf einmal mit verschränkten Armen nervös um den Tisch. Wir haben uns dem Ganzen dann langsam genähert und erstmal anonym abgefragt, ob alle damit einverstanden wären, das Gehalt offen zu legen.

9. Ein Ergebnis dieser Gespräche: Bei einhorn dürfen Mitarbeiter Ihr Gehalt selbst bestimmen. Wow. Warum geht Ihr diesen Weg?

Als Unternehmer im Unternehmen macht es mehr Sinn auch die Gehälter zusammen zu entscheiden. Da jeder die Unternehmensentwicklung und den Kontostand kennt, kann man auch viel besser entscheiden, was man sich leisten kann. So kommt es nicht zu Ego-Nummern oder zu ungerechten Entscheidungen, nur weil jemand vielleicht lauter schreit oder besser verhandelt. Wenn jemand mehr möchte, muss er oder sie das vor dem ganzen Team rechtfertigen.

10. Und unterm Strich: Funktioniert das gut oder fließt jetzt zu Jahresende der Wein aus dem Pappkarton?

Das wissen wir erst in circa einem Jahr. Die Zeit gönnen wir uns auch. Aber bei unserem Team hatten genau diese Entscheidungen tatsächlich bewirkt, dass sie uns Gründer geglaubt haben, dass wir es ernst meinen mit dem Mitunternehmer-Konzept.

11. Mehr geile Arbeitgeber, mehr Offenheit, Weltfrieden und Co.: Was wünschen sich einhörner fürs kommende Jahr?

Wir wünschen uns, dass viel mehr dendriert wird, mehr zugehört wird, weniger geurteilt wird – und auch dass Einhörner wieder ohne Furcht in der freien Wildbahn leben dürfen.

Jetzt aber: Bilder, Bilder, Bilder

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