Männer mit bunten Socken

Die verrücktesten Arbeitsmodelle

Selbst bestimmen, wie viel man verdient oder einfach mal einen neuen Chef wählen? Klingt wie der Himmel auf Erden? Leute, setzt Euch in die Bürosessel und haltet Euch fest, denn das gibt es bereits. Das sind die verrücktesten Arbeitsmodelle. Und das Beste an der Sache: Es funktioniert. Verrückt, nicht wahr?

Kohle wem Kohle gebührt

Jeder ist sich selbst der Nächste – nicht immer, aber wenn es ums Gehalt geht, auf alle Fälle. So zermürbend die Lohnverhandlungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind, so einfach können sie sein. Warum nicht einfach mal selbst festlegen, was einem zusteht?

Funktioniert nicht? Funktioniert doch. Die elbdudler GmbH ist das beste Beispiel dafür. Wer was verdient, bestimmen die Mitarbeiter. Die einzige Auflage ist, dass die Lohnerhöhung zuvor mit zwei Kollegen aus dem Team besprochen wird. Gibt es ein OK, gibt es mehr Scheine. Wer jetzt an 6-stellige Gehälter denkt, der irrt. Zwar stieg nach Einführung des neuen Entlohnungssystems das Gehaltsniveau leicht an, aber damit auch die Verantwortung aller Mitarbeiter. Jeder war plötzlich Unternehmer. Jeder am langfristigen Erfolg des Unternehmens interessiert. Dass ein Einzelner durch ein übertrieben hohes Gehalt der Firma schadet, wird dadurch ausgeschlossen. Ebenso wie starre Gehaltsstrukturen und Boni, die nicht das Wohl des Unternehmens, sondern die prall gefüllte eigene Tasche in den Vordergrund stellen. Was durch den transparenten Umgang mit dem Thema auch deutlich gestiegen ist, ist die Identifikation mit dem Unternehmen.

Der Laden, der von alleine läuft

So oder so ähnlich war die Vorstellung der Führungsebene bei der Ministry Group. Vom eigenen Wachstum beinahe überholt, war die Ressourcenverteilung gleich dem Sommerschlussverkauf – ein Gerangel mit hohem Konfliktpotential. Schon die Informationsbeschaffung und Verteilung selbst, verschlungen wertvolle Arbeitsstunden.

Die Frage: „Wer weiß am besten, wie viele Ressourcen er benötigt“, war Problem und Lösungsansatz zugleich.

Weg vom Top-down-Ansatz, hin zur Selbstorganisation. Die klassischen Strukturen im Unternehmen wurden von heute auf morgen abgeschafft. Sie wurden durch hierarchiefreie Teams, den sogenannten X-Teams ersetzt. Controlling, Ressourcen, Personalplanung und Kommunikation – alles wurde direkt in die Hände der Mitarbeiter gelegt. Reibungen waren selbstverständlich vorprogrammiert. Nicht jeder war damit einverstanden, als plötzlich der Azubi Anweisungen erteilte. Doch die anfänglichen Schwierigkeiten wurden in Kauf genommen. Die Teams begannen sich selbst zu organisieren – auf sehr unterschiedliche Weise.

Im Nachhinein bedeutet diese Umstellung zwar mehr Arbeit für die Teams, aber auch Effizienz. Und die Chefs? Die verstehen sich jetzt als Serviceteam. Sie schaffen ein Umfeld, in dem die Teams optimal arbeiten können. Ob Stellenausschreibung oder Zahlen aufbereiten – das ist jetzt Chefsache.

Vote your boss

Normalerweise wählt der Chef seine Mitarbeiter aus. Nicht so, bei dem Schweizer Arbeitgeber Umantis. Sie drehen den Spieß um und wählen Ihre Vorgesetzen demokratisch – sogar den Chef. Die Politik dient dabei aber nur begrenzt als Vorbild. Es gibt keinen Wahlkampf in dem die Kandidaten für einen Posten Reden schwingen und sich gegenseitig mit Dreck bewerfen. Vielmehr wird auf gemeinschaftlicher Basis ein Leitbild für die benötigte Stelle definiert. Wer meint, für die Rolle am besten geeignet zu sein, stellt sich dafür auf. Umantis hat die Erfahrung gemacht, dass die Mitarbeiter am besten wissen, was das Unternehmen braucht, um erfolgreicher zu werden.

Schwierige Entscheidungen, wie Sparmaßnahmen oder Entlassungen lassen sich dadurch leichter durchsetzten. Schließlich haben alle gemeinsam die Marschrichtung beschlossen. Jeder hat seine Rolle. Und was noch wichtiger ist: Jeder hat die Gewissheit, der Richtige für diese Rolle zu sein.

Wie lange die „Amtsperiode“ eines Chefs geht, wird hingegen nicht festgelegt. Es gilt die richtige Person, zur richtigen Zeit zu finden. Haben die Mitarbeiter das Gefühl der Chef trifft nicht mehr die richtigen Entscheidungen oder das Leitbild hat sich verändert, steht eine Neuwahl ins Haus. Gescheitert ist der Chef dann aber nicht – es haben sich lediglich die Umstände geändert. Dann ist wieder jeder der Boss im Haus und bestimmt, wer zukünftig das Sagen hat.

Für jene unter Euch, die nicht wissen, warum sie eigentlich arbeiten gehen – hier gibts die Antwort.