Beruf Rapper – ein älterer Herr Umunterhemd mit Goldketten und Bündel Scheinen in den Händen

Wenn der Rubel rollt – Berufswahl Rapper

Egal ob passionierter Duschkabinensänger oder Rampensau – für wen Musik mehr als nur etwas Zeitvertreib darstellt und damit liebäugelt den Bürosessel gegen eine Rapper-Karriere einzutauschen, sollte sich so einigen Dingen bewusst sein. Füllfeder oder Mikrofon: Das TheMessage Magazin gibt Euch einen Exkurs darüber, womit Ihr bei der Berufswahl Rapper zu rechnen habt.

Das Rapper Dasein

Goldene Ketten, fette Autos und Scheine, die durch die Luft geworfen werden – ein Anblick, den man mit klassischen Musikvideos im HipHop verbindet. Vom Ghetto zum Millionär, der Tagtraum vieler Rapper, während „Lose Yourself“ von Eminem läuft. In der Dokumentation „Adult Rappers“ thematisiert Regisseur Paul Innacchino Jr. den täglichen „Hustle“ erwachsenwerdender Rapper, die sich am Rande des kommerziellen Erfolgs bewegen. Für die große Masse der Musiker ist das sorgenlose Leben vorbei, Verkaufszahlen werden als logische Konsequenz auf das Internet weniger und seinen Lebensunterhalt durch die Musik zu verdienen, erfordert ein hohes Maß an wirtschaftlichem Denken und Können.

Started from the bottom, now we here“ (Drake). Was verdient ein bekannter Rapper, ist eine oft gehörte Frage. Das Forbes Magazine listet jährlich die sogenannten HipHop Cash Kings. Nach den Recherchen des Finanz-Magazines führen Diddy und Jay-Z, die neben Champagner-, Vodka- und Klamotten-Marken auch mit Record Labels und Wassermarken ihr Kleingeld bestreiten. Doch kaum ein Artist kann diesen Lebensstandard ohne Zusatzeinamen stemmen – dabei beachte man, dass auch deutschsprachige Künstler wie Bushido oder Sido Verdiener im Millionenbereich sind. Wobei Bushido im Immobilienbereich ein gutes Händchen bewiesen hat. Sido hingegen versuchte den klassischen Weg mit den „Superstarz“-Köpfhörern zu gehen – ganz nach dem Vorbild von Großmeister Dr. Dre, dessen Beats by Dre für einen milliardenschweren Betrag von Apple übernommen wurden. Kollegah verdient durch gute Chartplatzierungen laut dem Vermögen Magazin bis zu 600.000 Euro im Jahr.

Doch viele Rapper mit Chartplatzierungen, können nicht wirklich von ihrer Kunst leben. Der Frankfurter Megaloh arbeitet als Lagerist, die Rotlicht-Rapperin Schwester Ewa führt ihre eigene „Stolze Bar“ und Moneyboy versucht mit YouTube-Klicks Geld zu verdienen. Denn abseits der Plattenverkäufe, die pro Platte im Schnitt zwischen zwei bis sieben Euro Künstlerbeteiligung einbringen, wird an der Live-Show geschraubt und massenweise Merchandise unter die Fans gebracht. Eine Einnahmequelle, auf welche die meisten Vollzeit-Rapper nicht verzichten können. Die GEMA und Streaming bringen einen kleinen Teil und auch YouTube-Ads sind nicht zu unterschätzen – aber am Ende des Abends holt sich das Finanzamt noch seinen Teil und dann bleibt oft nicht einmal ein Durchschnittsgehalt.

Resümee

Die Illusion des Klischees entspricht in verschwindend wenigen Fällen der Realität. Was bleibt, sind geleaste Wägen, unterbezahlte Models und ein Haufen Fake-Klunker. Natürlich darf man das nicht für das ganze Genre pauschalisieren, denn vieles trifft für die meisten Rapper am Rande des Kommerzes nicht zu. Unterm Strich bleibt die Hyperbel ein einfaches Stilmittel, das tief im Genre verankert ist. Rapper, kein empfehlenswerter Vollzeit-Job, aber eine Passion.

The Message – das österreichische Magazin für Urban Musik und Kunst. Das 1997 gegründete Musik Magazin mit Sitz in Wien, gilt als fester Bestandteil der österreichischen Hip Hop-Kultur.

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Verfasser: Wanja Bierbaum