5 Tipps zum Thema Arbeitszeugnis

5 Tipps zum Thema Arbeitszeugnis

Eine gute Bewerbung beinhaltet nicht nur einen aussagekräftigen Lebenslauf und ein ansprechendes Bewerbungsschreiben, sondern auch eindrucksvolle Arbeitszeugnisse der bisherigen Arbeitgeber.

Das Problem ist: Arbeitszeugnisse müssen wohlwollend formuliert sein, dazu haben die Gerichte Arbeitgeber verpflichtet. Das heißt auch wenn man eine Lobeshymne in den Händen hält – entscheidend ist vielmehr, welche Botschaft sich hinter einer wohlklingenden Formulierung versteckt. Wie ein gutes Arbeitszeugnis aussieht, um Karrierechancen zu eröffnen, seht Ihr in unseren fünf Tipps vom XING Arbeitnehmerportal.

1. Wenn das Arbeitsverhältnis endet, kann man ein schriftliches Zeugnis verlangen.

Sowohl bei Voll- und Teilzeitjobs, als auch bei Nebentätigkeiten und befristeten Arbeitsverhältnissen kann man ein Arbeitszeugnis verlangen. Leiharbeitnehmer haben den Anspruch auf ein Zeugnis nur gegenüber dem verleihenden Arbeitgeber. Der Entleiher, bei dem sie eingesetzt waren, ist jedoch verpflichtet, dem verleihenden Arbeitgeber ein Zeugnis über das Leistungsverhalten des Leiharbeitnehmers zukommen zu lassen.

Der Arbeitgeber muss nur ein Zeugnis ausstellen, wenn man es verlangt. Anderes gilt zum Ende eines Berufsausbildungsverhältnisses. Zumindest ein einfaches Zeugnis ist hier automatisch zu erteilen. Der Auszubildende muss nicht erst darum bitten. Bei sehr kurzen Arbeitsverhältnissen werden teilweise nur einfache Zeugnisse ausgestellt. Der Arbeitgeber kann die Leistung des Mitarbeiters kaum bewerten.

2. Welche Fristen sind zu beachten?

Anspruch auf ein Zeugnis hat man bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Man sollte seinen Zeugnisanspruch zeitnah zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses geltend machen, idealerweise noch vor dem letzten Arbeitstag. Dadurch ist die eigene Leistung noch präsenter, als wenn schon Wochen nach dem letzten Arbeitstag vergangen sind. Außerdem kann man noch inhaltlich Einfluss nehmen und mögliche Änderungswünsche mit dem Vorgesetzten abstimmen. Vielleicht benötigt man das Zeugnis auch schon für die nächste Bewerbung.

Grundsätzlich beträgt die Verjährungsfrist für Arbeitszeugnisse drei Jahre nach Beendigung Arbeitsverhältnisses. Danach muss der Arbeitgeber kein Zeugnis mehr ausstellen. Es gibt jedoch Ausnahmen und der Anspruch kann schon vorher verwirken. Dies kann der Fall sein, wenn der Arbeitgeber nicht in der Lage ist, ein wahrheitsgemäßes Zeugnis auszustellen, weil etwa Ihre Vorgesetzten nicht mehr bei der Firma arbeiten oder die Abteilung inzwischen geschlossen wurde. Ebenso kann der Anspruch verwirken, wenn man den Eindruck erweckt, dass man sein Recht auf ein Zeugnis nicht in Anspruch nehmen möchte – dies kann schon nach einigen Monaten nach dem letzten Arbeitstag der Fall sein, ist aber vom Einzelfall abhängig. In Arbeitsverträgen kann auch durch sogenannte Ausschlussfristen oder Verfallsklauseln geregelt sein, dass die Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis innerhalb einer bestimmten Frist geltend gemacht werden müssen. Eine übliche Formulierung ist zum Beispiel:

„Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis müssen innerhalb von drei Monaten nach Fälligkeit schriftlich geltend gemacht werden, andernfalls verfallen sie.“ 

Man sollte seinen Arbeitsvertrag auf solche Klauseln hin überprüfen. Solche Ausschlussfristen können außerdem in Tarifverträgen geregelt sein. Wenn möglich, fragen Sie hierzu Ihren Betriebsrat.

Auch für eine Änderung des Zeugnisses gibt es Fristen. Arbeitsgerichte lehnen Klagen auf Zeugnisberichtigung gelegentlich unter Hinweis darauf ab, dass der Änderungsanspruch verwirkt und damit nicht mehr durchsetzbar sei. Dies kann im Extremfall schon nach fünf Monaten der Fall sein. Sobald man sein Zeugnis hat, sollte man es möglichst schnell prüfen, um Änderungen notfalls noch gerichtlich durchsetzen zu können.

Anspruch auf ein Zeugnis besteht selbst dann, wenn man sich mit seinem Arbeitgeber vor Gericht um die Kündigung streitet. Auch dann sollte man sein Zeugnis früh genug einfordern. Allerdings wird der Arbeitgeber im Zweifel schon ein Beendigungszeugnis erteilen, wenn das Arbeitsverhältnis aus seiner Sicht bereits beendet ist.

3. Die Checkliste für ein gutes Arbeitszeugnis

Für das Arbeitszeugnis hat sich ein klassischer Aufbau etabliert. Man sollte beim Ausscheiden aus einem Unternehmen darauf achten, dass die Beurteilung nach dieser Struktur gegliedert ist.

Einleitungsteil

  • Überschrift (Arbeitszeugnis/ Zwischenzeugnis)
  • Einleitung mit Jobtitel und Beschäftigungsdaten (Herr/ Frau … trat am … in unser Unternehmen ein…)
  • Beruflicher Werdegang (Herr/ Frau … wurde zunächst als … und ab … als … eingesetzt…)
  • Beschreibung der zuletzt ausgeübten Tätigkeit (Zu seinen/ ihren Aufgaben zählte:….)

Leistungsbeurteilung (Beurteilung der Leistung und des Erfolges)

  •  Arbeitsbereitschaft (Herr/ Frau … war motiviert/ engagiert …)
  • Arbeitsbefähigung (Er/ Sie war sehr belastbar und ausdauernd …)
  • Fachkenntnisse/ Weiterbildung (Er/ Sie verfügt über fundierte Fachkenntnisse …)
  • Arbeitsweise/ Arbeitsstil (Er/ Sie führte die Aufgaben selbständig aus …)
  • Arbeitserfolg/ Arbeitsergebnisse (Er/ Sie lieferte eine gute Arbeitsqualität …)
  • Konkrete herausragende Erfolge (Insbesondere im Bereich … erzielte er/ sie überdurchschnittliche Ergebnisse)
  • Leistungszusammenfassung (Alle Aufgaben erledigte er/ sie zu unserer vollen Zufriedenheit)

Verhaltensbeurteilung (Beurteilung des Sozialverhaltens)

  • Verhalten zu Internen (Sein/ Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war einwandfrei)
  • Verhalten zu Externen (Geschäftspartnern und Kunden gegenüber trat er/ sie höflich und gewandt auf)
  • Sonstiges Verhalten/ Ergänzungen (Er/ Sie war vertrauenswürdig…)

Schlussteil

  • Beendigungsformel (Herr/ Frau … verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch…)
  • Dankes-/ Bedauernsformel (Wir danken ihm/ ihr für die guten Leistungen)
  • Zukunfts- und Erfolgswünsche (Wir wünschen ihm/ ihr für die Zukunft alles Gute.)
  • Unterschrift des Zeugnisausstellers mit Angabe von Rang und Kompetenz
  • Ausstellungsdatum

4. Welche Note steckt hinter welcher Formulierung?

Das Zeugnis muss wohlwollend formuliert sein – aber welches ist die angemessene Note? Die Arbeitsgerichte gehen davon aus, dass ein durchschnittliches Zeugnis der Note 3 entspricht, also einem befriedigend. Wenn man eine bessere Note möchte, muss man beweisen, dass man diese durch seine Leistung verdient hat. Und zwar auch dann, wenn in seiner Branche gute bis sehr gute Beurteilungen üblich sind. Umgekehrt muss der Arbeitgeber im Streitfall unterdurchschnittliche Leistungen beweisen können, wenn er den Arbeitnehmer schlechter als mit der Note 3 bewerten will. Insgesamt fallen Arbeitszeugnisse in Deutschland sehr positiv aus. 79% aller Zeugnisse werden mit einem „sehr gut“ oder „gut“ ausgestellt, also mit der Note 1 oder 2.

5. Hilfen, um das Zeugnis selbst zu schreiben

Es klingt zunächst nach einem freundlichen Angebot: Viele Arbeitgeber fordern ausscheidende Mitarbeiter auf, ihr Arbeitszeugnis selbst zu schreiben. Tatsächlich aber ist es eine Aufgabe, die viele vor eine echte Herausforderung stellt. Denn wenn man mit dem Zeugnis bei späteren Bewerbungen punkten will, muss man einiges beachten.

XING Arbeitnehmerportal bietet weitere Tipps sowie hilfreiche Downloads rund um das Thema Arbeitszeugnis an: